{"corpus":"steiner","locus":"GA 147/1913-08-28/p023","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Drei Dinge, so zeigt Benedictus, kommen in Betracht: der einsame Gedanke, das Wort, die Schrift. Nun wird niemand wollen - der gesund denkt, auch wenn er die Wahrheit ganz eingesehen hat, daß dem einsamen Gedanken Luzifers Einfluß zugrunde liegen muß, und der Schrift Ahrimans Einfluß -, es wird niemand jetzt Luzifer ausrotten wollen, da, wo er so handgreiflich wirkt, denn das würde heißen, das einsame Denken verbieten. Manchem — man muß das sagen — wäre das das Bequemste, aber offen wird man es ganz gewiß nicht vertreten wollen. Auf der anderen Seite wird man auch nicht die Schrift ausrotten wollen, sondern sich sagen müssen: Wie positive und negative Elektrizität einen Gegensatz bedeuten in der äußeren physischen Natur, so bedeuten das Ahrimanische und das Luziferische einen Gegensatz, der da sein muß. Zwei Pole sind es, von denen keiner nicht da sein darf, sondern die nach Maß und Zahl in Verhältnis gebracht werden müssen. Dann kann der Mensch in jener mittleren Linie sich bewegen im Zustand des Wortes. — Es ist ja die Bestimmung des Wortes, Weisheit zu enthalten, Erkenntnis zu enthalten, Gedanken, Vorstellungen zu enthalten. Es kann sich nun der Mensch zum Beispiel sagen: Ich muß mich innerhalb des Wortes so entwickeln, daß ich alles Eigensinnige, bloß Persönliche mir gerade durch das Wort korrigieren lasse, dadurch, daß ich aufnehme in meine Seele, was in dem Wort, in dem weisheitsvollen Wort aller Zeiten hervorgebracht worden ist. - Achtung nicht nur vor der eigenen Meinung, nicht nur vor dem, was man selber glaubt und als richtig anerkennen kann durch eigene Kraft, sondern Respekt vor dem, was sich durch die Kulturen und durch das Mühen um Weisheit der verschiedenen Völker in der geschichtlichen Entwickelung ergeben hat. Das bedeutet auf der einen Seite, Luzifer sozusagen zum Worte in das rechte Verhältnis zu bringen. Nicht das einsame Denken ausschalten, aber auch beachten, daß das Wort der Gemeinsamkeit angehört und man das Wort verfolgen muß durch Zeitalter. Je mehr man dieses tut, um so mehr gibt man dem Luzifer den richtigen Einfluß auf das Wort. Man verfällt dann nicht bloß der Autorität des Wortes, sondern man schützt das Wort, das die Weisheit der Erde von Kulturepoche zu Kulturepoche trägt. Auf der anderen Seite obliegt es dem Menschen, der den Tatbestand richtig einsieht, daß er auch nicht dem starren autoritativen Prinzip verfällt, das in der Schrift liegt, denn damit verfällt er, ob die Schrift das Heiligste oder Profanste enthält, dem Ahriman. Man muß sich klar sein, daß für die äußere materielle Kultur der Mensch schon einmal die Schrift haben muß, und daß die Schrift etwas ist, wodurch Ahriman, was ja nicht seine Aufgabe ist, das Denken herauslösen will aus dem Strom der Vernichtung. Er will es nicht einströmen lassen in die Todesströmung. Da haben wir in der Schrift die beste Gelegenheit, zurückzuhalten das Denken auf dem physischen Plan. Mit vollem Bewußtsein dem gegenüberstehen, daß man das ahrimanische Element im Schriftwerk hat, niemals dem Schriftwerk zugeben, daß es Gewalt bekommt über den Menschen, kurz, sich das Wort im mittleren Zustand so bewahren, daß gleichsam von links und rechts - vom Denken und von der Schrift - die zwei polarischen Gegensätze Luzifer und Ahriman wirken: so muß man sich verhalten, wenn man auf dem rechten Boden stehen will. Wenn man dieses richtig ins Seelenauge faßt, wenn man sich klar ist, daß überall Gegensätze wirken müssen, dann steht man auf rechtem Boden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1913-08-28","location":null,"word_count":561,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/147/1913-08-28/p023","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/147/1913-08-28/p023"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/147/1913-08-28/p023","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}