{"corpus":"steiner","locus":"GA 147/1913-08-29/p014","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun muß man aber berücksichtigen, wie man diesem anderen Selbst begegnet, wenn man über die Schwelle hinaus in das Geistgebiet eintritt. Immer wieder und wiederum muß man sich vor die Seele stellen, daß man durch das, was man erlernt, beobachtet, erfahren hat in der physischen Welt und auch in der elementarischen Welt, daß man in alldem nichts hat, was übereinstimmen könnte mit den Merkmalen der geistigen Welt, in der die Gedanken Lebewesen sind. Würde man also nur mit demjenigen hineinkommen, was man in der physischen und auch in der elementarischen Welt erfahren kann, würde man in dem Geistgebiete dem Nichts gegenüberstehen. Was kann man denn nun hineinbringen in dieses Geistgebiet? Überlegen wir uns das genau. Das muß sich die Seele angewöhnen, daß sie im Geistgebiete nicht so wahrnehmen, so denken, so fühlen, so wollen will, wie das in der physischen und auch in der elementarischen Welt der Fall ist. Das muß sie hinter sich lassen. Aber erinnern muß sie sich an das, was sie in der physischen Welt erfahren, erdacht, gefühlt, gewollt hat. Wie man in spätere Lebensperioden die Erinnerungen früherer Perioden hinüberträgt, so muß man hinübertragen von dem physischen Plan in das Geistgebiet dasjenige, was man in der Seele erkraftet, erstarkt hat. Also mit der an die physische Welt sich erinnernden Seele muß man in die geistige Welt eintreten. Und dann muß man etwas Bestimmtes ertragen. Was man da ertragen muß, kann man in der folgenden Weise schildern. Denken Sie sich, ein Moment könnte in Ihrem gewöhnlichen Erdenleben für Sie eintreten, in dem all Ihr Wahrnehmen aufhören würde. Sie würden nichts mehr sehen, hören, nichts mehr Neues denken, fühlen und wollen können. Alle bisherige Art des Lebens hörte auf, und Sie würden nur das wissen, woran Sie sich erinnern können. Genau in dieser Lage sind Sie, wenn Sie mit hellsichtigem Bewußtsein in die geistige Welt hinaufsteigen. Da gibt es nichts, was Sie für den ersten Moment neu erleben könnten. Sie verstehen nur aus Ihren Erinnerungen, da liegt Ihr Dasein in dem, was Ihnen in Ihren Erinnerungen geblieben ist. Die Seele erlebt sich so, daß sie von sich sagen kann: Du bist jetzt nur das, was du gewesen bist, dein Dasein besteht in deinem Gewesensein, Gegenwart und Zukunft haben zunächst für dich keinen Sinn, dein Sein besteht in deinem Gewesensein. — Das ist etwas, was sich unter Umständen leicht aussprechen läßt. Aber sich so anschauen, daß man sich nur Erinnerung ist, daß man keine Gegenwart erleben kann, daß man von seinem Sein als von einem Gewesensein sprechen kann, ist ein bedeutungsvolles Erlebnis.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1913-08-29","location":null,"word_count":422,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/147/1913-08-29/p014","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/147/1913-08-29/p014"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/147/1913-08-29/p014","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}