Fünfter Vortrag
Und all die Größe auch des Mithrasdienstes lebte mit ihnen in seiner Seele auf und stellte sich wie durch innere Genialität ihm dar. Viel sprach er mit seiner Mutter über die Größe und Glorie des alten Heidentums. Viel sprach er von dem, was in den alten Mysterien der Völker lebte, wie zusammengeflossen waren die einzelnen Mysteriendienste Vorderasiens und Südeuropas in diesem Mithrasdienst. Aber zugleich trug er in seiner Seele die furchtbare Empfindung: wie sich nach und nach dieser Dienst gewandelt hatte und gekommen war unter dämonische Gewalten, die er selber erlebt hatte ungefähr in seinem vierundzwanzigsten Lebensjahre. Es kam ihm alles in den Sinn, was er damals erlebt hatte. Und da erschien ihm auch die alte Zarathustra-Lehre wie etwas, wofür die Menschen der heutigen Zeit nicht mehr empfänglich sind. Und unter diesem Eindruck sprach er zu seiner Mutter das zweite bedeutsame Wort: Wenn auch erneuert würden alle die alten Mysterien und Kulte, und alles das hineinflösse, was einstmals groß war in den Mysterien des Heidentums, es sind, dies zu vernehmen, die Menschen nicht mehr da! All das ist nutzlos. Und würde ich herausgehen und den Menschen dasjenige verkünden, was ich als die veränderte Stimme der alten Bath-Kol gehört habe, würde ich das Geheimnis kund tun, warum die Menschen in ihrem physischen Leben nicht mehr in Gemeinschaft mit den Mysterien leben können, oder würde ich verkündigen die alte Sonnenweisheit des Zarathustra, heute sind die Menschen nicht da, die dies verstehen würden. Heute würde sich alles das in den Menschen verkehren in dämonisches Wesen, denn es würde so hineinklingen in die Menschenseelen, daß die Ohren nicht da sind, solches zu verstehen! Die Menschen haben aufgehört, hören zu können auf dasjenige, was einstmals verkündet und gehört worden ist.
Cite:
GA 148/1913-10-06/p014 · edition original