Dritter Vortrag
An solchen Opferaltären wurden einstmals rechtmäßige Opfer verrichtet, die der äußere Kultausdruck waren für die alten Mysterienoffenbarungen jener heidnischen Gegenden. In den Kulthandlungen waren ja die Mysterienoffenbarungen ausgedrückt. Und wenn solche Kulthandlungen in uralt heiligen Zeiten - das wußte er jetzt durch unmittelbare Anschauung - verrichtet wurden, verrichtet wurden mit der richtigen Gesinnung der Priester, dann nahmen die göttlichgeistigen Wesen, mit denen die heidnischen Menschen verbunden waren, daran teil. Aber nach und nach waren diese Opferhandlungen in Dekadenz gekommen, waren herabgekommen, korrumpiert. Die Priester waren nicht mehr mit den rechtmäßigen Gesinnungen begabt, und so war es gekommen, daß an einer solchen Kultstätte statt der guten alten Götterwesen Dämonen walteten. Und in diesen Dämonen liegt der Grund, warum die Bevölkerung leiden mußte. Diese Dämonen sah jetzt der Jesus von Nazareth versammelt. Sie forderten gleichsam seinen hellseherischen Blick heraus, und er fiel hin, war wie tot. Und als er hinfiel, erkannten die Menschen, daß er nicht gekommen war, um an ihrem Altar wieder die Opfer zu verrichten. Sie ergriffen die Flucht, und in diesem Augenblicke sah er den ganzen Übergang der alten heidnischen Götterwelt in die Dämonenwelt und erkannte, daß dies die Gründe der Leiden dieses Volkes waren.
Cite:
GA 148/1913-11-18/p022 · edition original