{"corpus":"steiner","locus":"GA 148/1913-11-23/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dann sprach er von der zweiten Art der schmerzlichen Erlebnisse. Er sprach von jenen Ereignissen vor dem verfallenen Opferaltar, er sprach davon, wie er eingedrungen war in die alten Mysterien, bei denen die göttlich-geistigen Wesenheiten unmittelbar herniedergestiegen waren, wie auch in dieser Beziehung ein Herabstieg stattgefunden hatte. Statt der guten alten Heidengötter waren es Dämonen, die teilnahmen an den Opferfesten. Er sprach von den großen kosmischen Breignissen, von dem gewissermaßen umgekehrten Vaterunser. Es war ein außerordentliches Gespräch, das er da führte mit seiner Mutter. Er sprach davon, wie er hatte erkennen müssen, wie Luzifer und Ahriman flohen vor den Toren der Essäer und zu den anderen Menschen kamen, die die strengen Ordensregeln nicht mitmachen konnten. Von alldem sprach er. Es war wie ein Aufrollen seines bisherigen Lebens. Es war ein Gespräch, das dadurch seine Prägung bekam, daß die Worte nicht bloß Worte der Erzählung, daß in den Worten nicht bloß lag, was sonst in Worten liegt, sondern was er sagte, war in Worte geprägtes innerstes Erlebnis, in Worte gedrückter Schmerz und Leid, umgewandelt in unendliche Liebe, Schmerz, der sich in Liebe und Wohlwollen verwandelt hatte. Wie Realitäten strömten diese Worte hinüber zu der Mutter. Wie ein Stück Seele selbst erschien es, was da von Jesus weg und zur Mutter überging. In wenigen Stunden drängte sich zusammen alles das, was mehr war als ein bloßes Erlebnis. Ein kosmisches Erlebnis war es im wahrsten Sinne des Wortes. Es konnte Jesus von Nazareth nur Worte reden, aber es lag ein Teil seiner Seele in diesen Worten. Und vieles müßte man erzählen, wenn man charakterisieren wollte, was die Akasha-Chronik gibt. So kam es im Verlaufe dieses Gesprächs, daß es klar vor Jesus’ Seele stand, an welchem Punkte die Menschheitsentwickelung angelangt war. Jetzt dämmerte in ihm auf ein immer deutlicheres Bewußtsein, daß die Zarathustra-Seele in ihm war. So fühlte er, wie er als Zarathustra die damalige Menschheitsentwickelung mitgemacht hatte. Was ich jetzt zu Ihnen spreche, waren nicht die Worte, die Jesus zu seiner Mutter sprach, sondern er drückte sich so aus, wie es für sie verständlich war. Was er da fühlte, machte ihm das Geheimnis der Menschheitsentwickelung klar. Unvergleichlich ist der Eindruck, wie Jesus das innerlich empfindet und erlebt, während er mit seiner Mutter spricht. Er redet der Mutter davon, wie jedes Menschenalter seine bestimmten Kräfte hat und daß dies von großer Bedeutung ist. Es gab einmal ein Menschheitszeitalter, die uralt indische Kultur, wo die Menschen ganz besonders groß waren dadurch, daß das ganze Leben durchglüht war von den kindlich sonnenhaften Kräften des ersten Kindheitsalters. Etwas von diesen Kräften ist heute noch in uns von unserem ersten bis siebenten Lebensjahr.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag (Notizen)","site_heading":null,"date":"1913-11-23","location":null,"word_count":435,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/148/1913-11-23/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/148/1913-11-23/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/148/1913-11-23/p004","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"unit","note":"This text is a newspaper's or a listener's report of the lecture, not a transcript. The wording is the reporter's: do not quote it as Steiner's own words.","evidence":"Stuttgart, 23. November 1913. Zweiter Vortrag (Notizen)","evidence_translation":null,"evidence_source":"The unit's own header line in the edition served."}}