Zweiter Vortrag (Notizen)
Erst war die Christus-Wesenheit nur lose verbunden mit dem Jesus von Nazareth, aber immer dichter und dichter verband sie sich mit seinem Leibe bis zum Kreuzestode hin in fortwährender Entwickelung. An Verständnis in bezug auf geistige Dinge, hat die Menschheit seither nicht zugenommen. Unmöglich wäre sonst ein heutiges Vorkommnis, wie es das Buch Maeterlincks «Vom Tode» ist. Das ist ein dummes Buch. Darin wird gesagt: Wenn der Mensch entkörpert sein wird, dann sei er ja Geist, dann könne er nicht mehr leiden. — Das ist gerade das Gegenteil von dem, was wahr ist. Leiden muß immer der Geist, nicht der Leib. In dem Maße, als sich die Individualität steigert, steigern sich auch die Schmerzen, die Gefühle. Unmöglich ist daher auch für den heutigen Menschen das Verständnis für den erlittenen Schmerz des verkörperten Gottes.
Cite:
GA 148/1913-11-23/p008 · edition original