Zweiter Vortrag
Ich habe gestern im öffentlichen Vortrag bemerkt, daß ich, wenn ich etwas erwähne, um es zu bekämpfen, nicht damit sagen will, daß die Kapazität, die Wissenschaftlichkeit dieser Persönlichkeit damit abfällig beurteilt werden soll. Ich will damit gerade zeigen, wie das Bedeutende zu gleicher Zeit verheerend wirkt durch die suggestive Wirkung. So mußte man dazumal die Erfahrung machen, daß diese Schrift, «Wesen des Christentums», von einem der berühmtesten Theologen der Gegenwart als etwas sehr Bedeutendes angesehen worden ist. Da geht man nicht ein auf Einzelheiten. Da wird in dieser Schrift vertreten zum Beispiel die Anschauung über die Auferstehung des Christus Jesus, die etwa so lautet: Was auch geschehen sein mag damals in Palästina, das können wir heute nicht mehr wissen, so daß man den Auferstehungsbegriff nicht zu rekonstruieren braucht; aber ausgegangen ist von dieser Tatsache in Palästina der Glaube an die Auferstehung. An diesen Glauben halte man sich, gleichgültig was geschehen sein mag, das zu diesem Glauben geführt haben könne.
Cite:
GA 148/1913-12-10/p007 · edition original