Zweiter Vortrag
Vorgestern bin ich in der Erzählung gekommen bis dahin, wo der Jesus von Nazareth nach dem Gespräch, das er mit seiner Ziehmutter hatte und wo das Ich des Zarathustra sich losgelöst hatte von den drei Leibern, die dann in einer eigenartigen Zusammenfügung ohne ein menschliches Erden-Ich waren, den zwei Essäern begegnete. Ich habe versucht, diese Szene zu schildern; geschildert habe ich sie bis zu dem Punkte, wo Jesus, nachdem er mit ihnen sprach, ihnen gegenüberstand, wie wenn er sich auflöste, und sie ihn erblickten wie eine Fata Morgana, aus der die Worte ertönten: Eitel ist euer Streben, weil leer ist euer Herz, weil ihr euch erfüllt habt mit dem Geiste, der den Stolz in der Hülle der Demut täuschend birgt. — Als sie das gehört hatten, diese zwei Essäer, waren ihre Augen für eine Weile wie getrübt. Sie sahen ihn dann erst wieder, als er schon eine Strecke weitergegangen war. Ich konnte aus der Akasha-Chronik konstatieren, daß die beiden Essäer tief betroffen waren von dem, was sie erlebt hatten, und schweigsam wurden von diesem Tage an und den anderen Essäern nichts erzählten.
Cite:
GA 148/1913-12-10/p015 · edition original