Erster Vortrag

GA 148/1913-12-17/p006 ·1913-12-17 · original (original)
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Wir müssen uns, wenn wir eine solche Inkarnation ins Auge fassen, zunächst insbesondere über eines klar sein: Selbst wenn eine so hohe Individualität sich wieder inkarniert, wie der Zarathustra es war namentlich in der Zeit, als er in dem Jesus geboren worden ist -, mußte diese Individualität keineswegs im Kindes- oder Jünglingsalter wissen, daß sie diese Individualität ist. Nicht das Bewußtsein braucht vorzuliegen, das sich in den Worten aussprechen würde: Ich bin der und der. — Das liegt nicht vor. Wohl aber liegt vor in einem solchen Falle, daß jene erhöhten Fähigkeiten, die eine Menschenseele gewinnen kann dadurch, daß sie eine solche Inkarnation durchgemacht hat, sich früh bedeutsam zeigen und dann die ganze Grundstruktur des Charakters des betreffenden Kindes bedingen. So ist denn der salomonische Jesusknabe — so möchte ich ihn nennen -, in dem das Ich des Zarathustra lebt, mit hohen Fähigkeiten ausgestattet, und das ist das Charakteristische: er ist ausgestattet mit solchen Fähigkeiten, welche es ihm möglich machen, leicht einzudringen in das, was in seiner Umgebung lebt als Errungenschaft dessen, was sich die Menschheit auf Erden in der fortlaufenden Kultur erobert hat. In der Umgebung eines solchen Kindes lebte ja, besonders aber damals, die ganze Kultur der Menschheit in den Worten, den Gebärden, den Handlungen, kurz in alledem, was man sehen und hören konnte. Ein gewöhnliches Kind nimmt wenig auf von dem, was es sieht und hört. Dieser Knabe aber nahm auf mit einer großen inneren Genialität aus den spärlichsten Andeutungen, in denen sich das auslebte, was die Menschheit sich erobert hatte, kurz, er erwies sich als im höchsten Maße begabt für alles, was die Menschheitskultur bis dahin an schulmäßig Erlernbarem hervorgebracht hatte. Man würde einen solchen Knaben heute einen hochbegabten Knaben nennen. So war der salomonische Jesusknabe. Bis in sein zwölftes Jahr lernte er schnell, was er aus seiner Umgebung lernen konnte.

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Cite: GA 148/1913-12-17/p006 · edition original