Erster Vortrag

GA 148/1913-12-17/p025 ·1913-12-17 · original (original)
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In diesem Kreise lernte Jesus von Nazareth auch Johannes den Täufer kennen, aber sie wurden beide nicht im eigentlichen Sinn Essäer. Das zeigt gerade die Akasha-Chronik auf diesem Gebiet. Aber aus alledem, was ich geschildert habe, geht ja hervor, daß eine Menschenpersönlichkeit ganz besonderer Art da war, die auf jeden ganz außerordentlich wirkte; hatte sie doch so außerordentlich, wie ich es geschildert habe, bei den Heiden gewirkt, so daß auch die Essäer — trotzdem sie sonst das, was sie für ihre Seelen errungen hatten, wie das heiligste Geheimnis bewahrten, nichts davon verrieten an Außenstehende — harmlos sprachen mit Jesus über wichtige Ordensgeheimnisse, über Wichtigstes, was sie sich im Streben ihrer Seelen errungen hatten. So lernte Jesus kennen, wie ein in jener Zeit gegenwärtiger Weg für die Menschenseele da war, um hinaufzusteigen zu den Höhen, in denen die Urseelen der Menschen einmal geweilt hatten und von denen sie herabgestiegen waren. Ja, das konnte er an den Essäern merken, wie es den Menschen doch noch möglich sei, durch besondere Übungen zu diesen Höhen wieder hinaufzuklimmen. Aber schon machte es auf seine Seele einen tief, man möchte sagen, wenn das triviale Wort in diesem Zusammenhang erlaubt ist, unbehaglichen Eindruck, daß ein solcher Essäer, wenn er zu diesen Höhen aufsteigen wollte, von der übrigen Menschheit sich absondern, ein Leben führen mußte außerhalb des Kreises der übrigen Menschen. Das war ganz und gar nicht nach der Art von allgemeinster Menschenliebe, wie Jesus von Nazareth sie fühlte, der nicht ertragen konnte, daß etwas an geistigem Gut bestehen sollte, das nicht die ganze Menschheit sich aneignen konnte, sondern nur einzelne auf Kosten der ganzen Menschheit. Und oft ging er mit größtem Schmerz weg von den Stätten der Essäer. Das, was er empfand, läßt sich mit den Worten ausdrücken: Auch da sind einzelne, und es können immer nur wenige sein, die den Weg zurückfinden zur Uroffenbarung, aber gerade wenn diese wenigen sich absondern, müssen die anderen um so mehr in Verfall leben. Sie können nicht hinaufkommen, denn sie müssen die grobe materielle Arbeit verrichten für die, die sich absondern.

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Cite: GA 148/1913-12-17/p025 · edition original