Erster Vortrag

GA 148/1913-12-17/p030 ·1913-12-17 · original (original)
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Nun ist es wirklich schwierig, in Worte zu kleiden das, was er, wie zusammenfassend seine eigenen Erlebnisse, zur Stiefmutter jetzt sprach. Aber da wir ja geisteswissenschaftlich vorbereitet sind, so kann auch mit Zuhilfenahme geisteswissenschaftlicher Formeln und Ausdrücke versucht werden, den Schluß des Gespräches seinem Sinne nach zu schildern. Natürlich ist das, was ich jetzt zu sagen habe, nicht so gesprochen worden, aber es wird ungefähr eine Vorstellung hervorrufen von dem, was Jesus jetzt als Vorstellung in der Seele der Stiefmutter hervorrufen wollte: Wenn man so in die Entwickelung der Menschheit zurückblickt, dann stellt sich das gesamte Leben der Menschheit auf Erden so dar wie das einzelne menschliche Leben, nur verändert für die späteren Generationen, ihnen unbewußt. Das nachatlantische Leben der Menschheit, könnte man sagen, trat da vor die Seele des Jesus von Nazareth: wie zuerst nach dem großen Naturereignis eine urindische Kultur sich entwickelte, wo die großen heiligen Rishis ihre gewaltigen Weistümer an die Menschheit heranbringen konnten. Mit anderen Worten: es war eine spirituell-geistige Kultur da. Ja, so sagte er, so wie im einzelnen Menschen ein kindliches Alter da ist zwischen der Geburt und dem siebenten Jahr, wo ganz andere geistige Kräfte walten als im späteren Menschenleben, so wirkten geistige Kräfte in dieser urindischen Zeit. Weil diese Kräfte nicht nur bis zum siebenten Jahr da waren, sondern über das ganze Leben sich ergossen, so war die Menschheit in einer anderen Evolution als später. Damals wußte man das ganze Leben hindurch, was heute das Kind bis zum siebenten Jahr weiß und erlebt. Man denkt heute so zwischen dem siebenten und vierzehnten und dem vierzehnten und einundzwanzigsten Jahr, so wie man eben denkt, weil man die Kindheitskräfte verloren hat, die bei uns heute im siebenten Jahr abgestellt werden. Weil diese damals über das ganze Menschenleben ausgegossen waren, diese Kräfte, die heute nur bis zum siebenten Lebensjahr da sind, waren die Menschen in der ersten nachatlantischen Epoche hellsichtig. Höher stiegen sie mit den Kräften, die heute nur bis zum siebenten Jahre im Menschen leben. Ja, da war das Goldene Zeitalter in der Menschheitsentwickelung. Dann kam ein anderes Zeitalter, da waren die Kräfte in der ganzen Menschheit tätig, ausgebreitet über das ganze Leben, die sonst nur zwischen dem siebenten und vierzehnten Lebensjahr tätig sind. Dann kam die dritte Epoche, in der tätig waren die Kräfte, die heute zwischen dem vierzehnten und einundzwanzigsten Jahr wirken. Und dann lebten wir in einer Epoche, in der die Kräfte ausgegossen waren über das ganze Menschheitsleben, die sonst zwischen dem einundzwanzigsten und achtundzwanzigsten Jahre tätig sind. Da nähern wir uns aber schon, so sagte Jesus von Nazareth, der Mitte des Menschenlebens, die in den Dreißigerjahren liegt, wo für den einzelnen Menschen die Jugendkräfte aufhören aufzusteigen, wo er beginnt, den Abstieg zu vollziehen. Wir leben jetzt in dem Zeitalter, das entspricht dem achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Jahr des einzelnen Menschen, wo der Mensch den Abstieg des Lebens beginnt. Während beim einzelnen Menschen andere Kräfte noch da sind, die ihn weiterleben lassen, so ist in der ganzen Menschheit nichts mehr da. Das ist der große Schmerz, daß die Menschheit greisenhaft werden soll, ihre Jugend hinter sich hat, daß sie steht in dem Alter zwischen dem achtundzwanzigsten und fünfunddreißigsten Lebensjahr. Wo kommen neue Kräfte her? Die Jugendkräfte sind erschöpft.

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