Erster Vortrag
Der Jesus von Nazareth aber hatte so intensiv sich selbst verbunden mit den Worten, in die er all seinen Schmerz über die Menschheit geprägt hatte, daß dieses Selbst wie aus seinen Leibeshüllen verschwunden war, und seine Leibeshüllen jetzt wieder so waren, wie sie waren, als er ein kleiner Knabe war, nur durchtränkt von alldem, was er durchlitten hatte seit seinem zwölften Jahr. Das Ich des Zarathustra war weggegangen, und es lebte in seinen drei Hüllen nur das, was zurückgeblieben war durch die Macht der Erlebnisse. In diesen drei Hüllen machte sich jetzt ein Impuls geltend; der trieb ihn auf einen Weg, welcher ihn dann zu Johannes dem Täufer am Jordan führte. Wie in einer Art von Traum, der aber doch wieder kein Traum war, sondern ein höheres Bewußtsein, so ging er den Weg, und nur die drei Hüllen waren da, durchgeistigt und durchpulst von den Wirkungen der Erlebnisse seit dem zwölften Jahr. Das Ich des Zarathustra war weggegangen. Die drei Hüllen führten ihn so, daß er kaum etwas wahrnahm von dem, was um ihn war. Er lebte, gerade weil das Ich fort war, ganz im Anschauen des Schicksals der Menschen, in dem auch, was den Menschen fehlte.
Cite:
GA 148/1913-12-17/p033 · edition original