{"corpus":"steiner","locus":"GA 149/1913-12-30/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir werden sie erkennen, diese dritte Tatsache, wenn wir sie — zur Erleichterung für Ihre Vorstellung — in ihrer Abspiegelung in der griechischen Mythologie aufsuchen. Denn gerade so, wie sich die planetarischen Geister in die griechische Mythologie hineinprojizierten in Zeus, Ares, Hermes, Venus, Aphrodite, Kronos und so weiter, so spiegelte sich auch nicht nur in die griechische, sondern in die Mythologie der verschiedensten Völker hinein das dritte kosmische Ereignis. Wie es sich hineinspiegelte, können wir verstehen, wenn wir uns sozusagen dazu herbeilassen, das, was sich spiegelte, mit dem Spiegelbilde zu vergleichen: das, was im Kosmos draußen geschah, mit dem, was dann in Griechenland als eine Nachwirkung geschah. Da oben im Kosmos, was geschah da? Nun, es mußte etwas ausgetrieben werden, was in der menschlichen Seele chaotisch gewühlt hätte; das mußte überwunden werden. Es mußte das von dem Christus durchzogene engelartige Wesen die Tat verrichten, aus der menschlichen Seele herauszustoßen, herauszubesiegen das, was aus dieser menschlichen Seele heraus muß, damit Harmonie und Ordnung im Denken, Fühlen und Wollen dasein kann. Besiegt mußte werden in der menschlichen Seele das, was in ihr das Chaos, die Unordnung hervorgebracht hätte, herausgestoßen mußte es werden. Und so erscheint uns das Bild — stellen wir es lebendig vor unser Seelenauge —, das Bild eines engelartigen Wesens, jenes Wesens, das da noch in den geistigen Welten ist, das später der Jesusknabe, der nathanische Jesusknabe wird: Das erscheint uns durchseelt von der Christus-Wesenheit, dadurch zu besonderen Taten fähig, fähig, herauszustoßen aus Denken, Fühlen und Wollen dasjenige, was als der Drache in ihm wütet und es ins Chaos hineingebracht hätte. Die Erinnerung daran waltet in all den Bildern, die als Sankt Georg, der den Drachen besiegt, in den Menschenkulturen sich geltend gemacht haben. Sankt Georg mit dem Drachen spiegelt jenes überirdische Ereignis, wo der Christus den Jesus durchseelt hat und ihn fähig gemacht hat, herauszustoßen den Drachen aus der menschlichen Seelennatur. Es war dieses eine bedeutsame Tat, die nur durch die Hilfe des Christus in dem Jesus möglich geworden war, in diesem damaligen engelartigen Wesen. Denn es mußte tatsächlich sich verbinden mit der Drachennatur dieses engelartige Wesen, mußte gleichsam Drachenform annehmen, um abzuhalten den Drachen von der Menschenseele, mußte wirken im Drachen, so daß der Drache veredelt wurde, daß der Drache aus dem Chaos in eine Art Harmonie gebracht wurde. Die Erziehung, die Zähmung des Drachens, das ist die fernere Aufgabe dieser Wesenheit. Und so kam es denn, daß zwar der Drache wirksam war, aber dadurch, daß die Wirkung in ihn gegossen war, die von dem geschilderten Wesen ausging, ist dieser Drache der Träger geworden von vielen Offenbarungen, die sich geltend gemacht haben in den irdischen Kulturen der ganzen nachatlantischen Entwickelung. Statt daß das Chaos des Drachens in rasenden oder umdämmerten Menschen aufgetreten wäre, ist die Urweisheit der nachatlantischen Zeit aufgetreten. Das Drachenblut hat der Christus Jesus gleichsam benutzt, um mit seiner Hilfe das Menschenblut zu durchdringen, damit der Mensch Träger würde der göttlichen Weisheit. In der Spiegelung der griechischen Mythologie tritt uns das bedeutsam entgegen, vom neunten vorchristlichen Jahrhundert ab auch schon exoterisch.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1913-12-30","location":null,"word_count":505,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/149/1913-12-30/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/149/1913-12-30/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/149/1913-12-30/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}