Kapitel II

GA 15/l02/p005 · original (original)

Diese Wesenheiten hatten die merkwürdige Eigenschaft - und haben sie auch heute noch -, daß sie nicht zu denken brauchen; man könnte auch sagen, daß sie gar nicht denken können, wie der Mensch denkt. Wie denkt denn der Mensch ? Mehr oder weniger so, daß er von einem gewissen Punkte ausgeht und sich sagt: ich habe das oder jenes begriffen; und von diesem Punkte aus versucht er nun verschiedenes andere zu verstehen. Wenn das nicht der Weg des menschlichen Denkens wäre, so wäre der Schulweg für manches nicht so schwierig. Man kann nicht von einem Tage auf den andern Mathematik lernen, weil man an einem Punkte anfangen und langsam vorschreiten muß. Das dauert lange. Man kann nicht mit einem Blick eine ganze Gedankenwelt überschauen; denn das menschliche Denken verläuft in der Zeit. Es ist ein Gedankenbau nicht mit einem Schlage in der Seele gegenwärtig. Man muß suchen, muß sich anstrengen, um den Fortgang der Gedanken zu finden. Diese Eigentümlichkeit des Menschen haben die gekennzeichneten Wesenheiten nicht; sondern es tritt ein weiter Gedankenbau in ihnen mit derselben Geschwindigkeit auf, mit der etwa ein Tier sich klar ist, wenn es etwas für seinen Instinkt Eßbares vor sich hat, daß es darnach schnappen will. Instinkt und nachdenkerisches Bewußtsein zeigen in bezug auf diese Wesenheiten keinen Unterschied, sie sind ein und dasselbe. So wie die Tiere Instinkt haben auf ihren Stufen, in ihrem Reiche, so haben diese dhyanischen Wesenheiten oder Angeloi unmittelbares geistiges Denken, unmittelbares geistiges Vorstellen. Durch dieses instinktive Vorstellungs-Innenleben sind sie wesentlich anders geartet als die Menschen.

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