X. Luziferisches und Ahrimanisches im heutigen Kulturleben
Wir Anthroposophen stehen in einer neuen Weltanschauung. In die Welt tritt die spirituelle Bewegung. Bedenken Sie die Schwierigkeiten, die uns entgegenstehen, bedenken Sie, wie klein die Geisteswissenschaft geblieben ist trotz ihrer großartigen Anlage. Vergleichen wir, wie draußen in der Welt als Religionsbekenntnisse herrscht, was als Überbleibsel aus vergangenen Zeiten anzusehen ist. Wir finden da manche religiöse Bestrebung. Die sollen wir uns wohl ansehen. Da finden wir ein sehr verstandesmäßiges Ergreifen der Religion. Es treten Prediger auf, christliche, die nicht mehr an einen menschlichen Christus, nicht an Unsterblichkeit glauben. Die Menschen sind froh, wenn eine Jatho-Bewegung und ähnliches auftritt und möglichst rationalistisch vorgetragen wird. Alle alten Autoritäten können nicht mehr aufkommen gegen den blinden Glauben an dem, was die Wissenschaft bewiesen hat. Diese Erscheinungen stehen alle wieder mit den moralischen Auffassungen in Beziehung. Wer im geschäftlichen Beruf steht, wird mir bestätigen, wie wenig die Wahrheit einen Platz hat im heutigen Verkehr zwischen Verkäufer und Kunden. Gar mancher, der mit Verantwortungsgefühl dazwischensteht, leidet darunter. Haben denn die spinnwebdünnen Begriffe solcher verstandesmäßiger Prediger Moralkräfte in sich? Auch die öffentliche Meinung, auf die man heute so stolz ist, hat nicht bestanden im 13. und 14. Jahrhundert wie jetzt durch das Zeitungswesen. Große Philosophen sagten längst: Die öffentliche Meinung sind private Irrtümer. — Wer könnte wohl einem Ostwald und so weiter glauben machen, daß geistige Wesenheiten etwas mit ihm zu tun haben? Dadurch, daß er sie ableugnet, ruft er aber gerade ganz bestimmte geistige Wesenheiten heran. Hinter einem Ostwald zieht ein Heer von ganz bestimmten Geistern her. In aller Materie lebt der Geist. Es gibt einen Geist, der alles Interesse daran hat, seinen Geist zu verleugnen, das ist Ahriman. Wenn der Mensch alle seine Blicke nur hinrichtet auf die materiellen Gesetze, da vertreibt er nicht die Geister, sondern zaubert sie hervor, die schleichen sich ein in die Hirne der Materialisten. Mephistopheles schickt den Faust in das Reich der Mütter und sagt: Dort wirst du das Nichts finden. — Faust antwortet ihm: «In deinem Nichts hoff ich das All zu finden.» — Aber die Menschheit von heute antwortet nicht wie Faust, denn besessen sind die materialistischen Menschen von Ahriman.
Cite:
GA 150/1913-01-12/p005 · edition original