IV. Von Der Einwirkung Der Toten In Die Welt Der Lebenden

GA 150/1913-04-13_02/p023 ·1913-04-13 · original (original)
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Ich sagte vorhin, die Toten können uns dies und jenes zeigen. Wie kommt das zustande? Ich will hier ein Beispiel anführen. Früher habe ich schon öfter gesagt, wie es sich verhält mit Raffaels Bild «Die Schule von Athen». Gewöhnlich werden die beiden mittleren Gestalten aufgefaßt als Plato und Aristoteles. Das ist eine falsche Darstellung, und wer sich nach der Art des Baedecker mit dem Bilde beschäftigt, welcher sagt, die einzelnen Figuren stellen diese oder jene Persönlichkeiten dar, der wird nicht viel aus dem bedeutenden Bilde herauslesen können. Die eine Gestalt nämlich ist Paulus, der in Athen auftritt unter den Philosophen. Mancherlei konnte mir klarwerden, wenn ich anhand der Akasha-Chronik zurückverfolgte, was Raffael zu dem Bilde geführt hatte. Ich hatte durch andere Forschungen die Überzeugung gewonnen, wie die Evangelien zustande gekommen sind — das hängt nicht zusammen mit der «Schule von Athen». Die Schreiber der Evangelien hatten da mitunter die Daten festgestellt nach den Sternen, hatten also Astrologie getrieben. Das ist eine Tatsache für sich und hat zunächst gar keinen Zusammenhang mit dem Bilde von Raffael. Nun hatte ich das Glück oder die Gnade: eine verhältnismäßig früh verstorbene Seele machte mich aufmerksam auf den Zusammenhang zwischen der rechten und linken Seite des Bildes und mir wurde gesagt, daß die Worte aus dem Lukas-Evangelium, welche auf dem Bilde gestanden hatten, später übermalt worden waren und Worte aus der pythagoreischen Schule darauf geschrieben wurden. Nun begreift man auch die Geste, daß drüben auf Sternenkunde hingewiesen wird mit dem Zirkel, und ich konnte feststellen, daß von Raffael rechts Sternenforschung gezeigt werden sollte. Und was da erkannt wurde, wurde auf der anderen Seite aufgeschrieben. Also wurden aus der Sternenkunde heraus Evangelien geschrieben. Nun, sehen Sie, es war mir wichtig, Sie auf das aufmerksam zu machen, wie der Zusammenhang zwischen Lebenden und Toten ist. Derjenige, der so etwas unternimmt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, kann den spirituellen Ereignissen so gegenüberstehen, wie ein Kind der Natur gegenübersteht. Es schaut die Natur an, aber es versteht sie nicht. Aber trotzdem kann es aus einer Intuition heraus wunderbare Dinge mitteilen.

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