VI. Natur und Geist im Lichte geisteswissenschaftlicher Erkenntnis
Im ersten Kindheitsalter ist ein inniger Zusammenhang zwischen Natur und Geist, sie durchdringen einander, stehen einander noch freundschaftlich gegenüber. Später sondern sie sich, und der Geist und die Naturprozesse gehen mehr abgesondert vor sich. Dafür werden die Naturprozesse auch mehr geistlos, indem der Geist aus ihnen herausdifferenziert ist und zu der besonderen Seele geworden ist, auf die der Mensch so stolz ist. Diese erkauft sich der Mensch damit, daß sein Leib mehr geistlos wird. Der Mensch hat erst Geist aus seinem Leibe gesogen, damit er ihn mehr abgesondert für sich gebrauchen kann. In der ganzen Erdenentwickelung gibt es ein Ähnliches. In sehr frühen Zeiten der Erde war überall der Geist mit der Natur der Erde innig verbunden, daher war dazumal ein inniges Zusammenwirken zwischen Erdgeist und Erdennatur. Heute ist in gewisser Weise die Erdennatur so abgesondert von ihrem Geist wie beim Menschen die Natur von dem Seelischen. Und wie beim Menschen der Geist es ist, der Denken, Fühlen und Wollen dirigiert, so läuft in der Erdenentwickelung auch der Erdgeist als Geschichtsverlauf neben dem Naturprozeß einher. Diese waren in der lemurischen Zeit noch mehr miteinander verwoben, wie die geistigen und die Naturprozesse beim Kinde auch enger verwandt sind als beim späteren Menschen. Worauf kommt es denn hier an? Kommt es darauf an, zu sagen: Der Geist entwickelt sich im späteren Lebenszeitalter oder Erdzeitalter? — Nein, er war schon da, aber er hat dazumal seine Tätigkeit verwendet auf das, was dann abgesondert ist. Und das verhärtet, es verholzt, es stirbt.
Cite:
GA 150/1913-06-08/p015 · edition original