VI. Natur und Geist im Lichte geisteswissenschaftlicher Erkenntnis
Dasjenige also, was unser tiefstes Wesen ist, hat mit Mann und Frau nichts zu tun. So wie das mit Mann und Frau nichts zu tun hat, so. hat das tiefste Wesen der Welterscheinungen und Tatsachen überhaupt mit Natur und Geist nichts zu tun, sondern es gestaltet sich das eine Mal mehr geistig, das andere Mal mehr natürlich. Das sind beides Phasen eines Daseins, so schreitet das Leben weiter. Wie im Menschenleben abwechseln sein mehr seelisch-geistiges Tun am Tag und sein für den physischen Menschen mehr natürliches Tun in der Nacht, so wechseln im Weltall ab Zeiten der Wesen, in denen sie sich mehr vergeistigen, und Zeiten, in denen sie sich mehr «vernatürlichen». Das ist ein Rhythmus im Weltall. Wer zum Beispiel auf das Wesen des Menschen sieht, wenn er Mann ist in einer Inkarnation, wenn er also karmisch dazu verurteilt ist, den Geist zu destillieren aus dem Natürlichen, dann kann er sich sagen: Nun bin ich allerdings karmisch dazu bestimmt, den Geist aus der Natur zu destillieren, aber das muß rhythmisch, zyklisch abwechseln mit einem Frauendasein, wo ich mit meinem Geist mehr in dem Natürlichen stecken darf, damit ich wiederum einen Pendelschlag in die Richtung des natürlichen Daseins haben darf.
Cite:
GA 150/1913-06-08/p020 · edition original