VIII. Erdenwinter Und Sonnen-Geistessieg
Dann wuchs es heran so, als ob es konzentriert in seiner eigenen Wesenheit all dasjenige enthalten sollte, was an Liebe und Liebefähigkeit gewissermaßen alle Menschenseelen zusammen aufbringen konnten. Und die große Genialität der Liebe, das war es ja, was in dem Kinde lebte. Nicht lernen konnte es viel von dem, was Menschenkultur errungen hat im Erdenleben. Was im Lauf von Jahrtausenden errungen worden war von den Menschen, das konnte der nathanische Jesusknabe bis zu seinem zwölften Jahre wenig erleben. Weil er es nicht konnte, ging dann das andere Ich in ihn über in seinem zwölften Jahre. Aber alles dasjenige, was er berührte von frühester, zartester Kindheit an, war von der vervollkommneten Liebe berührt. Alle Eigenschaften des Gemütes, alle Eigenschaften des Gefühls, sie wirkten so, wie wenn der Himmel die Liebe auf die Erde gesendet hätte, damit in die Winterzeit der Erde hineingetragen werden könne ein Licht, das in die Dunkelheit der menschlichen Seele leuchtet, wenn die Sonne während dieser Winterzeit ihre volle äußere Kraft nicht entfaltet. Wenn später der Christus einzog in dieses Menschen Hülle, so müssen wir eingedenk sein, daß diese Christus-Wesenheit sich auf Erden nur verständlich machen konnte dadurch, daß sie zu wirken hatte durch diese Hüllen hindurch.
Cite:
GA 150/1913-12-21/p017 · edition original