Vierter Vortrag
Das aber muß von vielen gesagt werden. Daher muß die Geisteswissenschaft, geradeso wie sie die Gesinnung hervorrufen muß, zu erkennen, wie Friede zwischen den Weltanschauungen bestehen soll, auf der anderen Seite scharf hinweisen auf die Überschreitung desjenigen, was notwendig ist durch Einhalten der Konstellation durch die Persönlichkeiten der Gegenwart, die dadurch großen Schaden anrichten, daß sie die Welt suggestiv beeinflussen mit Urteilen, die gefällt sind, ohne daß auf ihre Konstellation dabei Rücksicht genommen worden ist. Scharf zurückgewiesen werden müssen die Einseitigkeiten, die sich als Ganzes geltend machen wollen. Die Welt läßt sich nicht erklären durch einen Menschen, der Anlagen hat für das eine oder das andere. Und wenn er sie dadurch erklären will und eine Philosophie begründen will, dann bewirkt diese Philosophie Ungünstiges, und es erwächst der Geisteswissenschaft die Aufgabe, die hochmütigen Prätentionen dieser Einseitigkeit zurückzuweisen, die sich als ein Ganzes in der Welt aufspielt. Je weniger in unserer Zeit Sinn und Gesinnung für die Geisteswissenschaft vorhanden ist, desto stärker muß die charakterisierte Einseitigkeit hervortreten.
Cite:
GA 151/1914-01-23/p028 · edition original