I. Die drei geistigen Vorstufen des Mysteriums von Golgatha
Die Geschichte des menschlichen Gedankenlebens zeigt uns, wenn die zum künftigen Christus-Verständnis notwendigen Kräfte da sein sollen, daß der Gedanke selbst eine andere Form annehmen muß, die Denktätigkeit eine Umwandlung erfahren muß. Heute sehen wir das Gedankenleben zwischen zwei Anschauungen hineingestellt, und der Mensch leidet unter diesem «Dazwischengequetschtsein» und kann den Übergang von einer zur anderen Ansicht nicht finden. Auf der einen Seite steht Haeckel, der allein die äußere Wahrnehmung gelten lassend, ein Wirklichkeits-Weltenbild erstellt hat, das aber die Wirklichkeit des Gedankens nicht anerkennen kann. Und auf der andern Seite steht F7ege/, der, ausgehend von dem Gedanken als geistige Realität - das Weben und Leben des Gedankens in der Wahrheit ist der wirkende Geist — ein Gedanken-Weltenbild aufbaut, das aber seine Zeit nicht als Wirklichkeit anerkennen kann. Was der Gedanke nötig hat, ist, ihn lebendige Wirklichkeit werden zu lassen.
Cite:
GA 152/1914-03-05/p023 · edition original