III. Der Fortschritt in der Erkenntnis des Christus Das Fünfte Evangelium

GA 152/1914-05-27/p018 ·1914-05-27 · original (original)
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Und Michelangelo hat als polarische Erscheinung neben die Sibyllenkräfte hingestellt diejenigen, welche versucht haben das Ich zu suchen, das Ich aufzufinden in der menschlichen Natur und es fruchtbar zu machen für die geschichtliche Entwickelung der Menschheit: es sind die Propheten. Was uns bei Michelangelo in den Sibyllen und Propheten erscheint, es stellt die beiden Pole dar: Auf der einen Seite die Tendenz des Ich, in Unordnung zu kommen, auf der anderen Seite das Suchen des jüdischen Prophetentums, die Ich-Kräfte in Ordnung zu bringen. Es gärte in der menschlichen Natur um das eigentliche Bewußtwerden des Ich, das dazumal eintreten sollte, und wäre die Gefahr nicht abgewiesen worden, so würden heute in unserem Ich chaotisch durcheinandergehen dunkle prophetische Kräfte und dunkle Sibyllenkräfte. Eine wirkliche Klarheit des Ich hätte es nicht geben können in der Entwickelung der folgenden Jahrhunderte. Da fiel die Inkarnation des Christus in dem Jesus von Nazareth in diese Gärung hinein und bewirkte zum vierten Male die Harmonisierung der menschlichen Natur. Geschehen konnte dies nur dadurch, daß die Christus-Wesenheit sich verkörperte in einer menschlichen Wesenheit, welche im höchsten Sinne alle damals an den Menschen herantretenden Fähigkeiten in sich zur Entwickelung gebracht hatte.

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