III. Der Fortschritt in der Erkenntnis des Christus Das Fünfte Evangelium

GA 152/1914-05-27/p037 ·1914-05-27 · original (original)
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Fassen wir, um uns so etwas zu vergegenwärtigen, das Datum des 28. Oktober 312 ins Auge. Damals stand vor den Toren Roms Konstantin, der Sohn des Constantius Chlorus, er stand vor dem Rom, das Maxentius regierte. Konstantin mit seinem verhältnismäßig kleineren Heer näherte sich Rom, in dem Maxentius ein bedeutend größeres Heer befehligte. Maxentius war innerhalb der Mauern Roms sicher. Konstantin rückte auf freiem Felde heran. Jene Schlacht, die damals geschlagen wurde, entschied über die Landkarte Europas. Derjenige, der die Geschichte studiert in ihren Tiefen, wird stets zugeben müssen: Damals entschieden nicht die Ideen der Generäle, nicht die Vernunftgründe der Menschen über das, was in der Schlacht geschah, sondern etwas ganz anderes! Maxentius fragte bei den sibyllinischen Büchern an und er bekam zur Antwort: Wenn du außerhalb der Tore Roms Konstantin angreifen wirst, so wirst du den größten Feind Roms vernichten. — Ein rechtes Orakel! Und in der Nacht, die der Schlacht voranging, hatte Maxentius einen Traum, der ihn antrieb, die gesicherte Stellung in den Mauern Roms zu verlassen und Konstantin entgegenzugehen. Konstantin aber, mit seinem viel kleineren Heer, er hatte in der Nacht einen Traum, der ihn anwies, das Symbolum des Christus seinen Heere vorantragen zu lassen und in diesem Zeichen zu siegen. Keine Vernunftgründe, keine strategischen Gründe, keine Kenntnisse des Kriegswesens hatten dazumal eine Rolle gespielt, da es auf die Entscheidung ankam, sondern unterbewußte Kräfte standen sich gegenüber in Maxentius und Konstantin. Man mag über den Wert oder Unwert Konstantins denken, wie man will, in dem Siege, den Konstantin dazumal erfocht, lebte der Impuls des Christus als eine wirkliche, reale Kraft, die durch das Unterbewußte der Menschen wirkte seit dem Mysterium von Golgatha, ganz abgesehen davon, was die Menschen über den Christus dachten.

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