{"corpus":"steiner","locus":"GA 152/1914-06-01/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir haben Augen in unserm Leibe. Durch diese Augen sehen wir. Aber wir sehen nur dadurch, daß tatsächlich die Augen selbstlos sind, daß wir sie gar nicht spüren. Wir tragen sie in uns, wir sehen gleichsam durch die Augen hindurch die Dinge, aber die Augen selbst sind ausgelöscht als solche in unserem Wahrnehmen. So ist es auch mit den anderen Sinnen. Wir nehmen die Welt dadurch wahr, daß unser Sinnensystem selbstlos ist. Nehmen wir einmal an, unsere Augen wären selbstsüchtig. Was würde dann mit dem Menschen geschehen? Wir würden uns zum Beispiel einer blauen Farbe nähern, und indem wir uns ihr nähern, würde unser Auge, weil das Auge so wirken würde, daß es nicht die Farbe durchlassen, sondern sie unmittelbar im Auge selbst erschöpfen würde, von dem Blau, indem es sich ihm näherte, ausgesogen werden. Wie eine Saugkraft würde man es im Auge empfinden, wenn das Auge so selbstsüchtig werden könnte, wie wir in unserem moralischen, intellektuellen und Gefühlsleben sind. Wenn wir uns einer roten Farbe nähern und unser Auge sich nicht selbstlos verhalten würde, sondern Anspruch darauf machen würde, die Wirkung des Rot in sich zu erleben, so würde das Rot wie stechend auf unser Auge wirken. Und wenn unser Auge selbstsüchtig würde, so wäre es so, daß wir gegenüber allen Eindrücken einen Saug- oder Stechschmerz hätten. Wir wären uns bewußt, daß wir Augen haben, aber wir würden bloß Saug- oder Stechschmerzen wahrnehmen. In Wirklichkeit ist es für den heutigen Menschen so, daß er durch die Welt geht und weiß, daß Farben- und Lichtwirkungen da sind. Aber er braucht nicht an das Auge zu denken. Es löscht sich selbstlos aus während des Wahrnehmens. Und ebenso ist es mit den andern Sinnen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die vier Christus-Opfer","site_heading":null,"date":"1914-06-01","location":null,"word_count":282,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/152/1914-06-01/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/152/1914-06-01/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/152/1914-06-01/p007","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}