Die vier Christus-Opfer
In den ersten Zeiten, als wir in Deutschland arbeiteten auf dem Felde unserer Geisteswissenschaft, kam zu uns eine befreundete Persönlichkeit, die mit einem wunderbaren Enthusiasmus aufnahm, was wir damals geben konnten. Aber nicht nur mit einem wunderbaren hingebenden Enthusiasmus nahm sie auf, was dazumal möglich war zu geben über Menschheitsentwickelung, kosmische Geheimnisse, über Reinkarnation und Karma, sondern sie verband damit zugleich einen wunderbaren ästhetischen Sinn. In Schönheit getaucht war alles, was man lehrend und unterredend mit dieser Persönlichkeit durchging. Wir waren damals noch wenige. In solchem Raum uns zu drükken, wie das heute der Fall ist, hatten wir noch nicht nötig. Und die Dinge, die wir heute vor großem Zuhörerkreis sprechen, bei deren Besprechung waren wir nur drei: ich mit zwei andern Personen. Die eine dieser Personen verließ uns schon 1904 auf dem physischen Plan, ging in die geistige Welt. Wie es so ist: solche Personen machen eine Entwickelung durch nach dem Tode. Im Jahre 1907, als wir zu unserem Kongreß die Schurésche Rekonstruktion des Mysteriums von Eleusis aufführten, war noch nichts von solchem Einfluß wahrnehmbar. 1909 fing es an, und immer mehr kam es in den letzten Jahren. Genau wußte ich, das ist die Individualität jener uns so befreundeten Persönlichkeit, die man wahrhaftig objektiv, rein wegen solcher Eigenart, lieb haben konnte. Entrückt in die geistige Welt wirkte sie wie ein Schutzengel für das, was wir zu leisten hatten zur Vermählung des Ästhetischen mit dem Esoterischen in unsern Mysterien. Und gut behütet fühlte man so von dieser Persönlichkeit, die 1904 entrückt war in die geistige Welt, dasjenige, was dann übergegangen ist in unsere irdische Wirksamkeit, was hereingeflossen ist in Erdenwirksamkeit und was uns durchdrungen hat, zu dem wir dankbar emporblicken, indem es durch das Ruhen des Seelenauges einer geistigen Persönlichkeit auf unseren Taten zum Ausdruck kam.
Cite:
GA 152/1914-06-01/p024 · edition original