Sechster Vortrag
In diesem meinem letzten Vortrag möchte ich da fortfahren, wo wir gestern geendet haben. Geendet haben wir bei dem, was ich mir zu benennen erlaubte «die große Weltenmitternachtsstunde des geistigen Daseins zwischen dem Tod und einer neuen Geburt», jene Mitternachtsstunde, wo das menschliche innere Erleben am intensivsten wird und das, was wir geistige Geselligkeit nennen können, das Zusammenhängen mit der geistigen Außenwelt, den niedrigsten Grad erreicht hat, so daß in gewisser Beziehung während dieser Mitternachtsstunde des geistigen Daseins geistige Finsternis um uns ist. Aber gesagt worden ist, daß die Sehnsucht nach Außenwelt wiederum in uns wirkt und daß diese Sehnsucht durch den Geist, der in geistigen Welten wirkt, aktiv wird und daß diese Sehnsucht ein neues Seelenlicht aus uns erzeugt, so daß es uns möglich wird, jetzt eine Außenwelt von ganz besonderer Art zu erblicken. Diese Außenwelt, die wir dann erblicken, ist unsere eigene Vergangenheit, wie sie durch frühere Inkarnationen und die Zwischenzeiten zwischen den Toden und den neuen Geburten sich vollzogen hat, und die wir jetzt als eine äußere Welt überschauen, indem wir zurückblicken auf das, was wir aus dem Weltendasein gehabt haben, genossen haben, und auf das, was wir diesem Weltendasein schuldig geblieben sind. Insbesondere tritt uns dann, wenn wir diesen Rückblick in unsere früheren Erlebnisse haben, zweierlei mit großer Intensität entgegen. Wir haben — das zeigt sich uns gleichsam durch ein geistiges Anschauen — dieses und jenes genossen, dieses und jenes ist uns beschert worden an Freude, an Lust des Daseins. Das alles können wir übersehen, was uns jemals geworden ist an Freude, an Lust des Daseins. Aber wir übersehen es so, daß es uns gleichsam in seinem spirituellen Wert erscheint, daß es uns in bezug darauf erscheint, was es aus uns gemacht hat.
Cite:
GA 153/1914-04-14_02/p003 · edition original