The Presence of the Dead on the Spiritual Path

GA 154/1914-04-17/p006 ·1914-04-17 · original (original)

Bei dem Kinde wirken die Kräfte unbewußt. Das Geistige ergreift den Organismus. Dieser wird durchorganisiert. Wenn wir geboren werden, sind wir einander viel gleicher, als wir unmittelbar meinen. Die Menschen gleichen sich nicht äußerlich, aber in der Struktur. Dann erst beginnt das Ausmeißeln, das Ausziselieren unserer Nerven. Das geht ohne unseren Verstand vor sich, geht vor sich, wenn wir diesen Verstand noch gar nicht handhaben können. Dann kommt die Zeit, wo wir beginnen, uns als ein Ich zu fühlen. Da hört die andere Weisheit auf, die wir von den Göttern, aus der geistigen Welt, mitbringen. In dieser ersten Zeit haben wir sozusagen nur Lebenskräfte; es ist nur ein Fortsetzen der geistigen Welt. Ein Kind, das da stirbt, stirbt nur durch äußere Gründe des Leibes. Es ist nicht mit der Seele daran beteiligt. Dann beginnt die Zeit, wo der Mensch anfängt, mit jedem Gedanken, mit jeder Empfindung zu zehren an der äußeren Organisation. Deshalb muß er in Schlaf versinken, als Ausgleich für das, was wir verzehren während des Taglebens. Würden wir nicht verzehren, würden wir ein sprossendes Leben haben. Der Ätherleib hat immer das Bedürfnis, zu sprossen und zu fruchten, aber der Astralleib hat das Bedürfnis, abzuzehren das, was der Ätherleib aufbaut. Er unterdrückt den Ätherleib. Während wir unbewußt im Schlafe sind, strömt ein aus den geistigen Welten das, was Ersatz schaffen kann für das, was abgezehrt wurde, was ertötet worden ist, damit es immer wiederum ausgeglichen werde. Der normale Schlaf gleicht immer nur soviel aus, als gerade weggezehrt worden ist. Würde der Mensch den Schlaf willkürlich verlängern, wie es mancher Rentner tun kann, würde er zuviel schlafen. Das ist kein Einwand gegen viel Schlaf. Gerade weil die geistige Arbeit viel zehrt an der physischen Organisation, braucht der geistige Arbeiter viel Schlaf. Aber zuviel Schlaf gibt zuviel neue Lebenskraft, die dann wuchert, richtig wuchert, so daß der Mensch strotzt von Lebenskraft. Solche überwuchernde Lebenskraft ist zugleich Krankheit, führt zu Krankheit selbstverständlich. Das, was der einzelne Mensch sich nun zuführen soll, damit er nicht nur ausgleicht die Arbeit des Tages, sondern geistig weiterkommt, das muß er bewußt aus der geistigen Welt herausholen. Die Religionsstifter konnten sich sagen: Mir ist auferlegt, zu führen, Lebenskraft aufzuzehren, das wird ausseglichen. Was aber im Menschen sich entwickeln soll, damit die Menschheit weiterkommt, damit dasselbe nicht erstirbt im physischen Erdendasein, das muß bewußt aus der geistigen Welt herausgeholt werden. — Daher haben die Religionsstifter Vorstellungen gegeben, die sie aus der geistigen Welt herausholten. Diese wirklich geistigen Vorstellungen sind die Nahrung der Seele. Sie sind es allein, welche das wirklich Seelische im Menschen aufrechterhalten. Es bedeutete für die Seelen den Tod, wenn sie nicht leben könnten in solchen Vorstellungen, die nicht aus der physischen Welt entnommen wurden. Das waren in früherer Zeit die Glaubensvorstellungen. Dieser Zyklus ist bei der Menschheit abgelaufen, und wir leben jetzt in der Zeit, in welcher die Menschen auf dem physischen Plan immer weniger die Fähigkeit haben werden, aufzunehmen, was nur zu ihrem Gemüt, ihrem Glauben spricht. Man kann diesen Glauben noch für einige Zeit konservieren, sozusagen galvanisieren, aber nicht mehr für die Zukunft festhalten. Anstelle des Grundsatzes: Ich glaube -, muß kommen: Ich glaube, was ich weiß. — Das werden die Menschen schon fühlen, daß dieser Grundsatz gelten muß. Sonst verliert man alle Möglichkeit, noch etwas zu wissen von dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Die Menschen würden in Jjammervolle Zustände in der nächsten Inkarnation zurückkommen. Alle Begeisterung für sonstige Ideale, die noch so sehr berechtigt sein können, ist gewiß sehr schön, sie muß da sein. Verglichen mit dem, was der Geisteswissenschaft zugrunde liegt, lassen sie sich aber nicht unmittelbar realisieren. Sie können nur Vorläufer der Geisteswissenschaft sein, aber ohne ihr Wissen.

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