{"corpus":"steiner","locus":"GA 154/1914-04-17/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Innerliche Vorstellungen, die große geistige Spannkraft gaben, kamen von den Religionsstiftern. Es waren Glaubensvorstellungen, die in wunderbarer Weise das Gebiet nach dem \"Tode erhellen konnten. Sie wandelten sich in echtes, wahres Geisteslicht, das den Menschen ihre Umgebung post mortem zeigte. Aber Zeiten kommen, wo die Menschen in Freiheit werden leben müssen. Und wenn auch Religionsstifter kommen würden, die im Sinne der alten Glaubenslehren mit Götterstimme und mit Götterkraft reden könnten, die Menschen würden sie nicht mehr verstehen können. Wir haben es ja schon erlebt. Die äußere Wissenschaft ist gekommen, mußte kommen. Ein großer Wissenschafter unserer Zeit, Max Müller, sagte: Und wenn ein Engel heruntersteigen würde und würde den Menschen die Dinge von der geistigen Welt verkündigen, die Menschen würden ihn nicht verstehen können und niemals daran glauben. — Diese Entwickelung nimmt die Menschheit. Dann bliebe eigentlich nur das übrig, daß die Menschen verlören die Möglichkeit, überhaupt mit Vorstellungen sich zu durchdringen, die auf die geistigen Welten gehen. Das bedeutet aber, weniger Licht haben nach dem Tode, um die geistige Umwelt von sich aus zu beleuchten. Keine äußere Sonne beleuchtet uns dann die Außenwelt, das Licht muß von uns kommen. Wir stehen in der Sonne und beleuchten unsere Umgebung nach dem Tode. Menschen, die nicht leuchten, müssen nochmals herunterkommen und das Leben wiederholen, um Vorstellungen, die fruchtbar sind für das Leben nach dem Tode, aufzunehmen. Wenn man das durchschaut, wirkt nicht bloß die gewöhnliche Begeisterung für die Verbreitung der Geisteswissenschaft, die die Worte von der Zunge löst. Glauben, was man weiß -, das wird das Bedürfnis der kommenden Menschheit sein. In alten Zeiten waren die religiösen Vorstellungen, auch Mythen und Märchendichtungen das, was den Seelen Licht gab für die Geisteswelt. Es ist leicht zu sagen, die Mythen und Märchen sind Vorstellungen, die den Kindheitsstufen der Menschheit entsprungen sind. Gewiß haben die Menschen den Engeln nicht physisch gegenübergestanden, von denen die Mythen und Märchen gesprochen haben. Aber mit dem Nachdenken durch Philosophie ist in der geistigen Welt nichts anzufangen. Dieses Wissen hat keine Bedeutung in den geistigen Welten. Es ist leicht zu sagen, Märchen beruhen auf keiner Wahrheit. So gescheit ist der Geistesforscher auch immer gewesen, daß er gewußt hat, daß feurige Drachen nicht durch die physische Luft fliegen, aber gewußt hat er immer, daß die Imagination des feurigen Drachen zu bilden notwendig ist. Denn indem diese Vorstellung in der Seele ist, wirft sie Geisteslicht auf die geistige Welt. Kraftvorstellungen sind das. So sind alle Mythen beschaffen, weniger um äußerlich abzubilden, sondern um in der geistigen Welt wirklich leben zu können. Die Materialisten sagen: Mythen und Märchen entspringen der Kindheitsstufe der Menschheit. — Aber die Menschen wurden eben in ihrer Kindheit von Göttern unterrichtet. Die Mythen und Märchen gehen so in dieser Weise der Menschheitsevolution verloren, aber die Kinder sollte man nicht so aufwachsen lassen. Es ist ein großer Unterschied, ob man das Kind mit oder ohne Märchen aufwachsen läßt. Die die Seele beschwingende Kraft der Märchenbilder tritt erst später hervor. In einem Lebensüberdruß zeigt es sich später, wenn nicht Märchen gegeben wurden, in einer Langeweile. Ja sogar physisch kommt es zum Ausdruck, auch gegen Krankheiten können Märchen helfen. Was durch die Märchen hineingeträufelt wird, das kommt als Lebensfroheit, Lebenssinn später heraus, kommt als Möglichkeit, mit dem Leben fertigzuwerden, noch im spätesten Alter zum Vorschein. Es müssen die Kinder in ihrer Jugend, wo sie sie noch erleben können, erleben die Kraft des Märcheninhaltes. Wer nicht vermag mit Vorstellungen zu leben, die für den physischen Plan keine Wirklichkeit haben, der stirbt für die geistige Welt. Und viele Philosophien, die sich nur stützen wollen auf den physischen Plan, sind Sterbemittel für die Seele. Aus der äußeren Evolution werden die Sterbemittel für die geistige Welt. Die Menschheit muß kommen zu einem Urteil, das nicht gestützt ist auf Äußeres, sondern in sich selbst sich stützt. Immer mehr muß sie kommen zu dem: Ich glaube, was ich weiß.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"The Presence of the Dead on the Spiritual Path","date":"1914-04-17","location":null,"word_count":641,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/154/1914-04-17/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/154/1914-04-17/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/154/1914-04-17/p008","paragraph_aligned":true}]}