Die Erweckung spiritueller Gedanken als Zeitforderung

GA 154/1914-05-05/p004 ·1914-05-05 · original (original)
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Womit wir heute beginnen möchten, das sollen einzelne Betrachtungen sein über das geistige Leben, die uns nützlich sein können, wenn wir einmal in ruhiger Stunde eine Überschau halten über die Frage: Welche Bedeutung kann für uns als menschliche Seelen die Geisteswissenschaft, welche Bedeutung kann das anthroposophische Leben haben? - Es könnte ja, insbesondere demjenigen Menschen der Gegenwart, der noch wenig sich eingelebt hat in anthroposophisches Denken und Fühlen und Empfinden, sehr leicht scheinen, als ob die Frage berechtigt sein könnte: Ja, wozu braucht man sich eigentlich zu kümmern um das geistige Leben, um die geistige Welt, da wir doch jedenfalls so könnte ja auch der materialistisch Gesinnte sagen — nach dem Tode in diese geistige Welt hineinversetzt werden und dann schon erfahren werden dasjenige, was wir über sie zu erfahren haben. Warum sollten wir uns nicht damit begnügen können, hier in diesem Leben zwischen Geburt und Tod einfach dasjenige zu tun, was sich aus dem Leben in der physischen Welt eben ergibt, und warum sollten wir unserem Leben einen Nachteil bringen, wenn wir unsere physischen Pflichten tun, die sich in der physischen Welt ergeben, und im übrigen im Unbestimmten lassen dasjenige, wie es sich mit der geistigen Welt verhalten mag? — Es ist das ein Ausspruch und eine Frage, die man ja oftmals gehört hat, als die materialistische Hochflut, namentlich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, über die Menschheitsentwickelung dahin ging. Und es waren gar nicht immer die ethisch schlechtesten Seelen, die sagten: Seien wir doch während unseres Lebens auf Erden bedacht auf die Pflichten, die uns auf Erden erwachsen, und überlassen wir das übrige einer Welt, die wir nach dem Tode etwa betreten. -— Oft hat man das hören müssen.

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Cite: GA 154/1914-05-05/p004 · edition original