{"corpus":"steiner","locus":"GA 154/1914-05-05/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun sei zunächst auf eines aufmerksam gemacht, welches für den Verständigen, der nun beginnt sich einzuleben, man möchte nicht einmal sagen in Geisteswissenschaft, sondern nur in ein wirklich logisches Denken, es sei etwas erwähnt, was für ihn sogleich einleuchtend sein kann. Der Mensch verbringt ja eigentlich nur einen Teil der Zeit zwischen Geburt und Tod wirklich in der physischen Welt, das heißt, er verbringt in der physischen Welt die Zeit, in der er wach ist. Und mindestens müßte derjenige, der vielleicht noch wenig an das Denken über die geistige Welt herangetreten ist, jedoch logisch denken kann, zugeben, daß der Mensch in seinem bewußten Seelenleben über das Schlafleben zunächst ebensowenig unterrichtet ist wie über das Leben nach dem Tode. Und nicht gut kann schließlich ein logisches Denken das Fortleben im Schlafe ableugnen, es müßte dann ein solches logisches Denken sich abfinden können mit der Behauptung, daß man wirklich an jedem Abend zugrunde geht und am morgen neu entsteht. Das wird ein logisches Denken wohl nicht tun, aber ebensowenig wird sich ein wirklich logisches Denken entschließen können zu behaupten, daß in dem schlafenden Leibe, der im Bette liegt, wirklich der ganze Mensch enthalten sei. Mindestens müßten die Leute über die Tatsache des Schlafes nachdenklich werden. Und wenn die Leute über die Tatsache des Schlafes nachdenklich werden, wird ihnen das schon einen Impuls geben, sich doch ein wenig auseinanderzusetzen mit dem, was Geisteswissenschaft der Welt zu geben hat. Gerade die Naturwissenschaft wird immer mehr und mehr dazu kommen, einzusehen, daß in dem schlafenden Menschen, das heißt in dem physischen Leib des schlafenden Menschen, das eigentlich seelische Wesen des Menschen nicht vorhanden ist, nicht da ist. Aber wohl kaum wird dieses Jahrhundert naturwissenschaftlicher Entwickelung zu Ende gehen, ohne daß die Naturwissenschaft auch aus sich heraus diese Erkenntnis, die eben angedeutet worden ist, haben wird. Dann wird diese Naturwissenschaft schon anfragen bei der Geisteswissenschaft, und dann wird sie durch sich selbst gezwungen werden, diese Naturwissenschaft, anzuerkennen, daß das, was wir des Menschen geistig-seelische Wesenheit nennen, wirklich außer Verbindung ist mit dem Leiblich-Physischen im Schlaf. Und dann wird wichtig werden, immer wichtiger werden für die Menschen des 20. Jahrhunderts, etwas über diesen Schlaf zu wissen. Und uns eine Vorstellung zu machen über dasjenige, was im Laufe des 20. Jahrhunderts die Menschen werden wissen müssen über die Natur des Schlafes, damit wollen wir heute beginnen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Erweckung spiritueller Gedanken als Zeitforderung","site_heading":null,"date":"1914-05-05","location":null,"word_count":388,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/154/1914-05-05/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/154/1914-05-05/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/154/1914-05-05/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}