Die Erweckung spiritueller Gedanken als Zeitforderung

GA 154/1914-05-05/p016 ·1914-05-05 · original (original)
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Daher ist es öfters schon unseren Freunden empfohlen worden: Wenn irgendeine Persönlichkeit, mit der sie in Verbindung gestanden haben, in der geistigen Welt weilt, so lese man ihr vor in Gedanken. Man verbildliche sich die betreffende Persönlichkeit und gehe in Gedanken lesend das durch, was von der geistigen Welt handelt. Dann liest der Tote mit. Man darf nicht glauben, daß das bedeutungslos ist. Der Tote in der geistigen Welt ist zwar in derjenigen Welt, von der wir wissen aus der Geisteswissenschaft. Aber die Gedanken über die geistige Welt müssen auf Erden erzeugt werden. Der Tote soll nicht nur die geistige Welt wahrnehmen, die allerdings um ihn herum ist. Er braucht die Gedanken derjenigen, die auf Erden leben. Diese Gedanken sind für ihn etwas wie eine Wahrnehmung. Das Schönste, Bedeutsamste, was wir den Toten schenken können, ist, ihnen vorzulesen in dieser geschilderten Weise. Immer wiederum, wenn gefragt wird, womit wir den Toten etwas geben können, so muß geantwortet werden: Mit dem Vorlesen irgendeines geistigen Inhaltes. -— Und wenn jemand doch Zweifel haben sollte, ob das nützlich ist, da der Tote ja in der geistigen Welt weilt, braucht man nur zu überlegen, daß in der sinnlichen Welt einer ebenfalls ringsherum von Dingen und Wesenheiten umgeben sein kann, aber doch keine Ideen von ihnen haben kann. Die muß man sich erst erwerben. So kann der Tote in der geistigen Welt sein; er ist da. Aber die Gedanken müssen ihm strömen von der Erde hinauf. Wie der segnende Regen aus der Wolke für die physische Erde strömen muß, so die leuchtenden Gedanken in diejenigen Regionen hinauf, in denen der Tote zu verweilen hat.

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Cite: GA 154/1914-05-05/p016 · edition original