Erster Vortrag
Wenn wir zurückblicken in die Zeit des Moses, so sehen wir, wie etwas verkündigt wird dem Volke, wir sehen, daß dem Menschen verkündigt wird der Gott im Menschen: Ich, der Gott, der da war, der da ist und der da sein wird. Im Ich muß er erfaßt werden, aber er wird erfaßt im Althebräischen so, wie die Seele des Volkes war. Elias geht nun noch weiter. Durch ihn wird noch nicht klar, daß das Ich in der einzelnen menschlichen Individualität lebt als das höchste Göttliche; aber er konnte es dem Volke seinerzeit noch nicht klarer machen, als die Welt es aufzunehmen vermochte. Daher sehen wir da sozusagen einen Sprung in der Entwickelung gemacht. Während noch die Moseskultur bei den Althebräern sich klar war darüber: In dem Ich liegt das Höchste — und dieses Ich wurde in dieser Moseszeit in der Volksseele ausgedrückt —, wird bei Elias schon auf die einzelne Seele hingedeutet. Aber es bedurfte auch hier eines Impulses, und dazu war wieder eine Vorläuferschaft da, die wir als die Persönlichkeit des Johannes des Tänfers kennen. Wieder war es ein bedeutsames Wort, in dem diese Vorläuferschaft des Johannes des Täufers zum Ausdruck kommt. Was drückt uns dieses Wort aus? Eine große okkulte Tatsache. Er weist darauf hin, daß die Menschen einmal, als Urmenschen, ein altes Hellsehen hatten, so daß sie hineinsehen konnten in die geistige Welt, in das Göttlich-Wirksame; dann haben sie sich aber mehr und mehr dem Materiellen genähert. Es hat sich verschlossen der Blick für die geistige Welt. Darauf weist Johannes der Täufer hin, indem er sagt: Ändert die Seelenverfassung! Blickt nicht mehr auf das, was ihr in der physischen Welt erringen könnt, sondern seid aufmerksam, jetzt kommt ein neuer Impuls! — damit meint er den Christus-Impuls —, deshalb sage ich euch, ihr müßt die geistige Welt suchen mitten unter euch. — Da tritt herein das Geistige, mit dem Christus-Impuls. Dadurch wurde Johannes der Täufer der Vorläufer des Christus-Impulses.
Cite:
GA 155/1912-05-23/p028 · edition original