Erster Vortrag
Es ist merkwürdig — drei Persönlichkeiten treten uns so entgegen, alle drei haben sie zu tun mit einer Vorläuferschaft für das Christentum. Und jetzt richten wir den okkulten Blick auf diese drei Persönlichkeiten. Was lehrt uns der? Der okkulte Blick lehrt uns, daß es dieselbe Individualität ist, die in Elias, die in Johannes dem Täufer, die in Raffael lebte. So unmöglich es scheint, es ist doch dieselbe Seele, die in Elias, in Johannes und in Raffael gelebt hat. Jetzt aber fragen wir uns, wenn der okkulte Blick, der forscht und nicht etwa äußerlich verstandesmäßig vergleicht, nun erforscht, daß es dieselbe Seele ist, die in Elias, in Johannes dem Täufer und in Raffael vorhanden war: Wie kommt es denn, daß Raffael, der Maler, der Träger wird für die Individualität, die in Johannes dem Täufer gelebt hatte? Kann man sich vorstellen, daß diese merkwürdige Seele des Johannes des Täufers in den Kräften lebte, die in Raffael vorhanden waren? Da kommt nun wieder die okkulte Forschung, aber nicht so, daß sie bloß "Theorien in die Welt setzt, sondern so, daß sie sagt, wie die Dinge sind, wie die Dinge wirklich ins Leben eingepflanzt sind! Wie schreiben die Leute heute noch Raffael-Biographien? Sie können es überall sehen, auch die besten sind heute so geschrieben, daß sie einfach angeben: Raffael wurde geboren an dem Karfreitage des Jahres 1483. Raffael ist nicht umsonst an einem Karfreitage geboren! Ankündigend schon durch diese Geburt seine Sonderstellung im Christentum, zeigt sich bei ihm, daß er mit den christlichen Geheimnissen in der tiefsten und bedeutungsvollsten Weise zu tun hat. An einem Karfreitag also war Raffael geboren. Sein Vater war Giovanni Santi. Giovanni Santi starb, als Raffael elf Jahre alt war. Als Raffael acht Jahre zählte, hatte er ihn in die Lehre zu einem Maler gegeben, der aber nicht so hervorragend war. Aber wenn man nimmt, was in dem Giovanni Santi, dem Vater Raffaels, war, so hat man einen eigentümlichen Eindruck, der sich noch erhöht, wenn man die Sache in der Akasha-Chronik betrachtet. Da zeigt sich, daß das, was lebte in der Seele des Giovanni Santi, viel mehr ist, als eigentlich aus ihm herausgekommen war, und man muß der Herzogin recht geben, die bei seinem Tode sagte: Ein Mensch voll Licht und Recht und allerbestem Glauben ist gestorben. Als Okkultist könnte man sagen, daß in ihm ein viel größerer Maler gelebt hat, als äußerlich zur Geltung gekommen war. Aber die äußeren Fähigkeiten, die von den physischen und Äther-Organen abhängen, die waren bei Giovanni Santi nicht entwickelt. Das war die Ursache, weshalb die Fähigkeiten seiner Seele sich nicht durchringen konnten. Aber in seiner Seele lebte wirklich ein großer Maler.
Cite:
GA 155/1912-05-23/p035 · edition original