{"corpus":"steiner","locus":"GA 155/1912-05-23/p037","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Zeiten werden kommen, wo man die Geisteswissenschaft fruchtbar machen wird für das Leben, wie diejenigen sie schon fruchtbar machen können, welche sie lebensvoll beherrschen und nicht bloß theoretisch. Ich darf hier etwas einfügen, bevor ich die Sache mit Raffael fortsetze. Ich spreche so, daß ich in meinen Beispielen nicht etwa Spekulationen gebe. Sie sind im Gegenteil immer aus dem Leben genommen. Nehmen wir nun an, ich hätte Kinder zu erziehen. Wer achtgibt auf die Fähigkeiten, der merkt bei jedem Kinde das Individuelle heraus. Solche Erfahrungen kann man aber nur machen, wenn man Kinder erzieht. Wenn nun bei einem Kinde die Mutter oder der Vater früh gestorben ist und nur der eine Teil des Elternpaares noch lebt, da kann man das Folgende erleben. Es zeigen sich da bei dem Kinde gewisse Neigungen, die vorher nicht vorhanden waren und die man sich somit nicht erklären kann. Als Erzieher muß man sich aber mit ihnen beschäftigen. Der Erzieher täte nun gut, wenn er sich sagte: Das, was in den geisteswissenschaftlichen Büchern steht, betrachten die Menschen zwar als eine Narrheit. Ich will es aber nicht von vornherein als Narrheit betrachten. Ich will es untersuchen auf seine Richtigkeit. Dann wird er bald sagen können: Ich finde, daß da Kräfte sind, die früher schon vorhanden waren, und wieder andere, die hineinwirken in diejenigen, welche früher schon da waren. Nehmen wir an, der Vater sei durch die Pforte des Todes gegangen, und jetzt kommen mit einer gewissen Stärke bei dem Kinde Eigenschaften heraus, welche in ihm gelebt haben. Macht man diese Voraussetzung und betrachtet man die Sache in dieser Weise, so wendet man die Erkenntnisse, die uns durch die Geisteswissenschaft zufließen, in vernünftiger Weise auf das Leben an und kommt dann, wie man bald finden wird, zurecht im Leben, während man vorher nicht zurechtgekommen ist. Der durch die Pforte des Todes Gegangene bleibt also verbunden mit seinen Kräften mit denjenigen, mit welchen er im Leben zusammenhing.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erster Vortrag","site_heading":null,"date":"1912-05-23","location":null,"word_count":319,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/155/1912-05-23/p037","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/155/1912-05-23/p037"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/155/1912-05-23/p037","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}