Erster Vortrag
Wenn man den Blick auf Raffael richtet und sich sagt: Giovanni Santi, der Vater, starb, als Raffael elf Jahre alt war; er hatte zwar keine besondere Vollendung als Maler erreichen können, aber seine kraftvolle Phantasie blieb ihm, und diese entwickelte sich nun hinein in die Seele des Raffael - so sagen wir nichts Trivialisierendes und Verkleinerndes für Raffael, wenn wir den Blick hinrichten auf Raffaels Seele und sagen: Giovanni Santi lebte in Raffael weiter, und daher erscheint dieser uns, als ob er eine voll abgeschlossene Persönlichkeit wäre; er erscheint uns so, als wenn er keiner Steigerung mehr fähig wäre, weil ein Toter seinen Arbeiten Leben gibt.
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GA 155/1912-05-23/p039 · edition original