Erster Vortrag

GA 155/1912-05-23/p043 ·1912-05-23 · original (original)
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Zwei Dinge möchte ich noch vor Ihre Seele hinstellen, indem ich von den Rätseln des Lebens spreche. Das ist etwas, in dem uns so recht der Sinn des Lebens aufgehen kann. Es ist, wenn wir die Erscheinung Raffaels ansehen, das Schicksal, dem seine Werke entgegengehen. Der, welcher heute die Bilder in Reproduktion ansieht, sieht nicht das, was Raffael gemalt hat, auch der, welcher nach Dresden oder Rom geht, nicht, denn diese Bilder sind auch schon so verdorben, daß man nicht sagen kann, daß man die Bilder von Raffael noch sieht. Leicht ist es ins Auge zu fassen, was aus denselben werden wird, wenn man das Schicksal des Abendmahl-Gemäldes des Leonardo da Vinci betrachtet, welches immer mehr und mehr dem Verfall entgegengeht. Wer sich dieses überlegt, der weiß, daß diese Bilder mit der Zeit pulverisiert werden. Er wird die traurige Überzeugung bekommen, daß alles das verschwinden wird, was die großen Menschen einst geschaffen haben. Da also diese Dinge verschwinden werden, so könnten wir uns fragen: Welcher Sinn liegt denn in dem Entstehen und Vergehen derselben? Wir werden sehen, daß im Grunde genommen nichts bleibt von dem, was von der einzelnen Persönlichkeit geschaffen worden ist.

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Cite: GA 155/1912-05-23/p043 · edition original