Erster Vortrag

GA 155/1912-05-23/p052 ·1912-05-23 · original (original)
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Fassen wir zusammen, was wir uns klarmachen konnten aus dem, was jetzt gesprochen worden ist, so können wir sagen: Wir konnten uns klarmachen, daß, wenn wir die okkulten Erkenntnisse zugrunde legen, das Leben sich uns in einem ganz anderen Zusammenhang darstellt, als wenn wir diese okkulten Erkenntnisse nicht haben. In dieser Beziehung sind die in materialistischer Denkweise gescheiten Leute wirklich recht kuriose Kinder. Man kann sich jede Stunde davon überzeugen. Als ich heute mit der Bahn zu Ihnen hierher fuhr, hatte ich eine Broschüre zur Hand genommen, die ein deutscher Physiologe geschrieben hat und die jetzt in zweiter Auflage erschienen ist. Darin sagt er, daß man nicht sprechen könne von einer aktiven Aufmerksamkeit in der Seele, von einem Hinlenken der Seele auf etwas, sondern daß alles abhänge von der Funktion der einzelnen Gehirnganglien, und weil da von den Gedanken die Bahnen gemacht werden müssen, sei alles davon abhängig, wie die einzelnen Gehirnzellen funktionieren. Keine Intensität der Seele könne da eingreifen, es hinge eben lediglich davon ab, ob diese oder jene Verbindungsfäden in unserem Gehirn gezogen sind oder nicht gezogen sind. Es sind wirklich rechte Kinder, diese materialistischen Gelehrten. Wenn man so etwas in die Hand bekommt, muß man sich folgendes denken: Arglos sind diese Herren, denn in derselben Broschüre findet sich der Satz, daß man in neuester Zeit gefeiert habe den hundertsten Geburtstag von Darwin und daß dabei Berufene und Unberufene gesprochen hätten. Natürlich hält sich der Verfasser der Broschüre für einen ganz besonders Berufenen, Und dann kommt die ganze Gehirnzellen-Theorie und ihre Verwendung. Wie steht es aber mit der Logik der Sache? Wenn man gewohnt ist, die Dinge in Wahrheit zu betrachten und dann ins Auge faßt, was diese großen Kinder den Menschen über den Sinn des Lebens bieten, da kommt man auf den Gedanken, daß es eigentlich dasselbe ist, wie wenn jemand sagen würde, es sei einfach Unsinn, daß irgendeinmal ein menschlicher Wille eingegriffen hätte in die Art und Weise, wie über die Fläche Europas hin die Eisenbahnen gehen. Denn es ist doch ganz dasselbe, wenn man in einem gewissen Zeitpunkte alle Lokomotiven in ihren Teilen und Funktionen ins Auge fassen und sagen würde: Die Lokomotiven sind soundso eingerichtet und fahren nach soundso vielen Richtungen, es begegnen sich aber die verschiedenen Richtungen an gewissen Knotenpunkten und somit kann man alle Lokomotiven nach allen Richtungen hin ableiten. — Was dadurch geschehen würde, wäre ein großes Durcheinanderwirbeln der Lokomotiven und Züge auf den europäischen Eisenbahnen. Ebensowenig aber kann man erklären, daß das, was in den Gehirnzellen sich abspielt als menschliches Gedankenleben, lediglich von der Beschaffenheit der Zellen abhängt. Wenn solche Gelehrten dann einmal unvorbereitet einen Vortrag über Okkultismus oder Geisteswissenschaft zu hören bekommen, so sehen sie das, was da gesagt wird, als den heillosesten Unsinn an. Sie sind fest überzeugt, daß niemals ein Wille eingreifen kann in die Art und Weise, wie die europäischen Lokomotiven gehen, sondern daß es abhängt davon, wie sie geheizt und gerichtet sind.

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Cite: GA 155/1912-05-23/p052 · edition original