Erster Vortrag

GA 155/1912-05-28/p007 ·1912-05-28 · original (original)
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Aber nun, nachdem wir dieses wie eine ganz gewiß manchem doch recht zu Herzen gehende Aussage gemacht haben, wird sich etwas ganz anderes in unserer Seele ergeben, was von einer unendlich tiefgreifenden Bedeutung ist. Der Mensch wird sich sagen: Ja, es mag schon so sein, daß die moralischen Prinzipien in ihrer tiefsten Bedeutung erst am Ende aller Weisheit begriffen werden können, brauchen tut sie der Mensch aber immer. Wie könnte es denn dann in der Welt überhaupt möglich sein, irgendeine moralische Gemeinschaft, ein soziales Werk zu fördern, wenn man warten müßte mit der Erkenntnis der höchsten moralischen Prinzipien bis ans Ende des Weisheitsstrebens. Das Notwendigste für das menschliche Zusammenleben ist die Moral, und nun behauptet da jemand, daß die moralischen Prinzipien erst am Ende des Weisheitsstrebens zu erlangen sind. Da könnte allerdings mancher sagen, daß er verzweifeln möchte an der weisheitsvollen Einrichtung der Welt, wenn das so wäre, wenn das, was man am notwendigsten braucht, erst am Ende des menschlichen Strebens erreicht werden könnte.

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