Erster Vortrag
Unter den mancherlei Dingen, die uns der Okkultismus schon gebracht hat, wird die Erkenntnis, daß bei den verschiedenen Völkern in den verschiedenen Erdgebieten die mannigfaltigsten Anschauungen, die mannigfaltigsten Impulse sich geltend gemacht haben, nicht das Geringste sein. Vergleichen wir einmal zwei zunächst weit voneinander abstehende Menschheitsgebiete. Gehen wir zurück in das ehrwürdige Leben des alten Indiens und betrachten wir, wie es sich nach und nach entwickelt hat bis in die neuesten Zeiten herauf; denn Sie wissen ja, für keines der Gebiete des eigentlichen Lebens auf der Erde, die uns bekannt sind, gilt in so hohem Maße wie für Indien die Tatsache, daß dasjenige, was Charakteristikum uralter Zeiten war, sich erhalten hat bis in die neuesten Zeiten herauf. Für kein Gebiet gilt das mehr als für das Leben innerhalb der indischen und einiger anderen asiatischen Kulturen. Bis in die neuesten Zeiten herauf haben sich die Gefühle, die Empfindungen, die Gedanken, die Anschauungen erhalten, die wir schon finden in diesen Volksgebieten in ururalten Zeiten. Das ist das Eindrucksvolle, daß sich in diesen Kulturen erhalten hat ein Abglanz uralter Zeiten, daß, wenn wir das betrachten, was sich bis in unsere Zeit herein erhalten hat, wir sozusagen in die alten Zeiten zugleich hineinschauen.
Cite:
GA 155/1912-05-28/p016 · edition original