Erster Vortrag

GA 155/1912-05-28/p036 ·1912-05-28 · original (original)
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Nun brauchen wir nur einzelnes hervorzuheben aus dem Leben dieses sonderbaren Menschen, vor allen Dingen seine Jugendzeit. Was tritt uns in Franz von Assisi für ein Mensch entgegen, wenn wir ihn als Knaben betrachten ? Es tritt uns, wie uns das bei den vielen Völkermischungen nach den Einwanderungen von Norden her nicht aufzufallen braucht, ein Mensch entgegen, der sich ausnimmt wie ein Nachkomme des alten germanischen Rittertums. Tapfer, kriegerisch, von dem Ideale erfüllt, mit den Kriegswaffen Ruhm und Ehre zu erwerben, das war es, was sich wie ein Erbstück bei ihm ergab, was wie eine Rasseneigenschaft in der einzelnen Persönlichkeit des Franz von Assisi vorhanden war. Mehr äußerlich, möchte man sagen, treten bei ihm diejenigen Eigenschaften auf, die in einer mehr seelischen, herzhaften Art im alten Germanentum da waren; denn nichts anderes wurde da Franz von Assisi als das, was man einen Verschwender nennt. Verschwenderisch verfuhr er mit den reichen Gütern des Vaters, des damaligen reichen Handelsherrn. Wohin er ging, die Güter, die Früchte der Arbeit seines Vaters, verschwendete er reichlich. Er hatte alle Hände voll übrig für alle seine Kameraden und seine Spielgenossen. Kein Wunder, daß er bei den kindlichen Kriegszügen von seinen Kameraden immer zum Anführer gewählt wurde und daß er dann so heranwuchs, daß man in ihm etwas sah wie einen richtigen kriegerischen Knaben. Als solcher war er auch in der ganzen Stadt bekannt. Zwischen den Knaben der Ortschaften Assisi und Perugia gab es allerlei Streitigkeiten. Daran nahm er nun auch Anteil, und es ereignete sich, daß er mit seinen Kameraden gefangen genommen und gefangen gehalten wurde. Er war es nun, der nicht nur die Gefangenschaft ritterlich ertrug, sondern auch alle anderen aufmunterte, auszuhalten in ritterlicher Weise, bis sie nach einem Jahre wieder nach Hause gehen konnten. Und als ein im Dienste der Ritterlichkeit notwendiger Kriegszug gegen Neapel unternommen werden sollte, da ereignete es sich, daß diesem jungen Menschen eine Traumvision erschien. Er sah einen großen Palast. Darinnen waren überall Schilder und Waffen. Er sah etwas von einem Gebäude, in welchem überall Stücke von Waffen aufbewahrt waren. Diesen Traum hatte er, der nur allerlei Tuche im Geschäfte und im Hause seines Vaters gesehen hatte. Er sagte sich daher: Das ist die Aufforderung an dich, ein Kriegsmann zu werden! und er entschloß sich daraufhin, sich dem Kriegszuge gegen Neapel anzuschließen. Schon auf dem Hinwege, und noch mehr als er sich dem Kriegszuge angeschlossen hatte, bekam er spirituelle Eindrücke, spirituelle Impressionen. Er hörte etwas wie eine Stimme, die sprach: Nun gehe nicht weiter, du hast das für dich bedeutsame Traumbild falsch gedeutet. Gehe zurück nach Assisi, und du wirst vernehmen, wie du es richtig zu deuten hast.

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Cite: GA 155/1912-05-28/p036 · edition original