Zweiter Vortrag

GA 155/1912-05-29/p015 ·1912-05-29 · original (original)
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Wenn wir solche Seelen suchen, welche sich nach und nach aus diesem niederen Stande emporgerungen haben, welche sich aus versuchten Seelen entwickelt haben hinauf zu höheren, dann finden wir sie vorzugsweise in derjenigen europäischen Bevölkerung, von der heute die Geschichte wenig meldet, von der nicht viel in den Geschichtsbüchern steht. Jahrhunderte und Aberjahrhunderte hindurch entwickelte diese Bevölkerung sich, um hinaufzukommen auf eine höhere Stufe, um sich sozusagen wieder zu erholen von dem Schlage, den sie in der alten atlantischen Zeit erlitten hatte. In Asien drüben hatte man es mit einem kontinuierlichen Fortlaufen der Kultur zu tun, in Europa dagegen hatte man es zu tun mehr mit einer Besserung, mit einem Umschlag der moralischen Niederlage in eine allmähliche moralische Besserung. So war es lange Zeit geblieben, und nur dadurch ist diese Besserung zustande gekommen, daß in den Menschenseelen ein außerordentlicher Nachahmungstrieb vorhanden ist und daß diejenigen, die als tapfere Menschen unter dem Volke gewirkt haben, als die Ideale und Musterbilder angesehen wurden, als die Ersten, als diejenigen, die man die Fürsten nennt, denen dann nachgeahmt haben die anderen, so daß eben durch diese Menschenseelen, welche sich so als Führer unter das Volk gemischt haben, die Moralität von ganz Europa gehoben worden ist.

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