Zweiter Vortrag

GA 155/1912-05-29/p021 ·1912-05-29 · original (original)
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Wie war nun wieder in Franz von Assisi hineingekommen eine solche Seelenkraft? Da wir nicht versammelt sind, um äußere Wissenschaft zu treiben, sondern um die menschliche Moral aus den okkulten Untergründen heraus zu verstehen, so müssen wir uns auf einige okkulte Wahrheiten einlassen, müssen einige okkulte Wahrheiten ins Auge fassen. Da müssen wir uns schon einmal fragen: Woher kam denn eigentlich eine solche Seele wie die des Franz von Assisi? Verstehen können wir eine solche Seele, wie wir sie in Franz von Assisi vor uns haben, nur dann, wenn wir ein wenig in sie hineinschauen, wenn wir uns bekümmern um das, was in ihren verborgenen Tiefen war. Da muß ich Sie daran erinnern, daß die alte Kasteneinteilung Indiens eigentlich ihren ersten Stoß, ihre erste Erschütterung erfahren hat durch den Buddhismus, denn der Buddhismus hat unter mancherlei, was er hineingebracht hat in das Leben Asiens, auch das gebracht, daß er die Kasteneinteilung nicht als etwas Berechtigtes anerkannte, daß er, soweit es für Asien möglich war, die Anwartschaft eines jeden Menschen zu dem Höchsten, was der Mensch erreichen kann, anerkannt hat. Wir wissen auch, daß dies nur möglich war durch die hervorragend große und gewaltige Persönlichkeit des Buddha, und wir wissen auch, daß der Buddha ein Buddha geworden ist in jener Inkarnation, von der uns gewöhnlich erzählt wird, daß er früher ein Bodhisattva war, was die nächstuntergeordnete Würde unter dem Buddha darstellt. Dadurch, daß jener Königssohn des Sudhodana im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens durchmachte, in sich fühlte die große Wahrheit vom Leben und Leiden, dadurch hatte er die Größe sich errungen, das zu verkündigen innerhalb der Welt Asiens, was wir kennen als den Buddhismus.

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Cite: GA 155/1912-05-29/p021 · edition original