Zweiter Vortrag

GA 155/1912-05-29/p034 ·1912-05-29 · original (original)
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Aber überall ist das Bessermachen eines Menschen darin begründet, daß wir seine geistige Verirrung wegschaffen. Und wessen bedarf es dazu? Fassen Sie jetzt dasjenige, was ich Ihnen erzählt habe, in eine Grundempfindung zusammen. Lassen Sie die Tatsachen sprechen, lassen Sie sprechen Ihre Gefühle und Ihre Empfindungen, und versuchen Sie dieselben in einer Grundempfindung zusammenzufassen, dann werden Sie sich sagen: Was braucht der Mensch dem Menschen gegenüber zu seinem Verhalten? Das ist es gerade, daß er den Glauben braucht an das ursprünglich Gute des Menschen und einer jeglichen menschlichen Natur! Das ist das Erste, was wir sagen müssen, wenn wir überhaupt in Worten von Moral sprechen wollen, daß es ein unermeßlich Gutes ist, was auf dem Grunde der Menschennatur vorhanden ist. Das sagte sich Franz von Assisi. Und wenn ihm dann entgegentraten einige derjenigen, die mit der charakterisierten schrecklichen Krankheit behaftet waren, dann sagte sich Franz von Assisi als guter Christ der damaligen Zeit etwa das Folgende: Eine solche Krankheit ist in gewisser Beziehung Folge der Sünde, aber weil Sünde geistige Verirrung ist, weil die Krankheit Folge geistiger Verirrung ist, daher muß sie durch eine starke und große entgegengesetzte Kraft aufgehoben und weggeschafft werden. Daher sah Franz von Assisi an dem Sünder, wie in gewisser Beziehung die Strafe der Sünde sich äußerlich zeigt. Er sah aber auch das Gute der Menschennatur, sah, was an göttlich-geistigen Kräften auf den Grund jeder Menschennatur gelegt ist. Der grandiose Glaube an das Gute in jeder Menschennatur, auch der gestraften Menschennatur, das war es, was Franz von Assisi ganz besonders auszeichnete.

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