{"corpus":"steiner","locus":"GA 155/1912-05-29/p036","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Diese zwei Grundimpulse sind es zunächst, welche ein wirklich moralisches Leben begründen können: Erstens der Glaube an das Göttliche auf dem Grunde einer jeden Menschenseele, zweitens die aus diesem Glauben hervorsprießende maßlose Liebe zum Menschen. Denn nur diese maßlose Liebe war es, die Franz von Assisi hinführen konnte zu den Siechen, den Gebrechlichen, den Seuchenbehafteten. Ein Drittes, das noch dazukommt, das notwendig sich auf diesen zwei Grundlagen aufbaut, ist, daß ein solcher Mensch, der die Grundlagen des Glaubens an das Gute der menschlichen Seele und die Liebe zu der menschlichen Natur hat, nicht anders kann als sich sagen: Dasjenige, was wir aus dem Zusammenwirken des ursprünglich guten Grundes der menschlichen Seele und der werktätigen Liebe hervorgehen sehen, das berechtigt zu einer Perspektive für die Zukunft, die sich dahin aussprechen kann, daß eine jegliche Seele, auch wenn sie noch so weit herabgestiegen ist aus der Höhe des geistigen Lebens, für dieses geistige Leben wiedergefunden werden kann. Das ist der dritte Impuls, das ist die Hoffnung für jede Menschenseele, daß sie den Weg wieder zurückfinden kann zu dem Göttlich-Geistigen. Diese drei Impulse, wir können sagen, daß sie Franz von Assisi unendlich oft hat aussprechen hören, daß sie ihm unendlich oft vor Augen getreten sind während seiner Einweihung in die kolchischen Mysterien. Wir können aber auch sagen, daß er in dem Leben, das er als Franz von Assisi zu führen hatte, wenig predigte von Glauben, von Liebe, daß er aber selber die Verkörperung war dieses Glaubens und dieser Liebe. In ihm waren sie gleichsam verleiblicht. In ihm traten sie wie ein lebendiges Sinnbild vor die damalige Welt. In der Mitte von allem steht natürlich doch dasjenige, was wirkte. Es wirkte nicht der Glaube, es wirkte nicht die Hoffnung. Die muß man zwar haben, aber wirksam ist nur die Liebe, Sie steht mitten darinnen, sie ist dasjenige, was die wirkliche Weiterentwickelung der Menschheit zum Göttlichen im Sinne des Moralischen eigentlich getragen hat in der einzelnen Inkarnation bei Franz von Assisi.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1912-05-29","location":null,"word_count":326,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/155/1912-05-29/p036","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/155/1912-05-29/p036"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/155/1912-05-29/p036","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1912-05-29_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}