Dritter Vortrag

GA 155/1912-05-30/p034 ·1912-05-30 · original (original)
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So müssen wir also sagen: Wie die alte Tapferkeit und der Starkmut geleitet wurden aus den Mysterien heraus von den europäischen Brahminen, von den sich zurückgezogen haltenden Weisen, so muß auch in der menschlichen Natur eine Leitung, ein Zusammenklingen der 'Tugend stattfinden mit dem Interesse. Das Interesse, das uns in der richtigen Weise mit der Außenwelt zusammenführt, das muß uns leiten und lenken, wenn wir uns mit unserer Liebe an die Außenwelt wenden. Im Grunde geht auch das aus dem charakteristischen, wenn auch radikalen Beispiele des Franz von Assisi hervor. Es war bei Franz von Assisi nicht ein Mitleid für die Menschen, das leicht auch etwas Aufdringliches und Beleidigendes haben kann, denn auch solche Menschen sind durchaus nicht immer von den richtigen moralischen Impulsen beseelt, die die anderen Menschen überschütten wollen mit ihrem Mitleide. Wieviele Menschen gibt es, die sich durchaus nichts aus Mitleid geben lassen wollen. Verständnisvolles Entgegenkommen ist aber etwas, das nichts Beleidigendes hat. Bemitleidet werden ist unter Umständen etwas, was der Mensch zurückweisen muß. Verständnis finden für sein Wesen ist etwas, das kein gesunder Mensch zurückweisen kann. Daher kann auch das Verhalten eines anderen Menschen nicht getadelt werden, der sich diesem Verständnis entsprechend in seinem Handeln verhält. Dieses Verständnis ist es, das uns leiten kann in bezug auf die zweite Tugend: die Liebe. Sie ist dasjenige, was durch den Christus-Impuls namentlich die "Tugend der Verstandes- oder Gemütsseele geworden ist; sie ist diejenige Tugend, die wir als die von menschlichem Verständnis begleitete, menschliche Liebe bezeichnen können.

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