Erster Vortrag

GA 155/1914-07-12/p011 ·1914-07-12 · original (original)
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Nun, ich möchte nicht bloß abstrakt Ihnen schildern, was ich zu sagen habe, ich möchte ausgehen zunächst von einer ganz konkreten Betrachtung. Ausgehen möchte ich davon, wie uns eine gewisse Szene des Mysteriums von Golgatha in geschichtlicher Überlieferung vor Augen steht, so wie sie sich eingeprägt hat und noch viel mehr einprägen sollte in die Herzen und in die Seelen der Menschen. Setzen wir einen Augenblick voraus, daß wir vor uns haben in dem Christus Jesus diejenige Wesenheit, die wir öfter im Verlauf unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen besprochen und charakterisiert haben; setzen wir voraus, daß wir in dem Christus Jesus dasjenige vor dem geistigen Auge haben, was uns Menschen im ganzen Weltenall als das Wichtigste erscheinen muß. Und dann stellen wir gegenüber dieser Empfindung, diesem Gefühl, das Schreien, das Wüten der aufgeregten Menge von Jerusalem vor der Kreuzigung, bei der Verurteilung. Stellen wir uns vor das geistige Auge die Tatsache, daß der Hohe Rat in Jerusalem vor allen Dingen es für sehr wichtig hält, an den Christus Jesus die Frage zu stellen nach dem, wie er es mit dem Göttlichen halte, ob er sich bekenne als den Sohn des Göttlichen. Und fassen wir ins geistige Auge, daß der Hohe Rat dieses für die größte Lästerung hält, die der Christus Jesus hat aussprechen können. Halten wir uns weiter vor Augen, daß eine Szene vor uns steht, geschichtlich, in der das Volk schreit und wütet nach dem Tode des Christus Jesus. Und versuchen wir nun einmal, uns zu vergegenwärtigen, was dieses Schreien und Wüten des Volkes historisch eigentlich bedeutet. Fragen wir uns einmal: Was hätte denn dieses Volk erkennen sollen in dem Christus Jesus ?

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