Erster Vortrag
Ja, man spricht von so mancherlei Beziehungen des Menschlichen zu dem Göttlichen. Man spricht, wenn man von den Beziehungen des Menschlichen zu dem Göttlichen spricht und von dem Sinn, den das Menschliche in dem Göttlichen hat, man spricht davon so, daß wirklich oftmals nicht zu unterscheiden ist, wie das Menschliche zu dem Göttlichen sich verhält, und wie irgendein anderes Irdisches zum Beispiel sich zu dem Göttlichen verhält. Heute finden wir ja noch immer, daß Philosophen sich durch reine Philosophie zu dem Göttlichen erheben wollen. Aber durch reine Philosophie kann man nicht zu dem Göttlichen kommen. Gewiß kommt man durch reine Philosophie dazu, zu wissen, daß ein Göttliches in der Welt waltet, und sich verbunden zu fühlen mit dem Weltenall; gewiß kommt man dazu, zu wissen, daß die menschliche Wesenheit mit dem Tode irgendwie mit dem Weltenall verbunden werden müsse, allein wie sie verbunden wird, dazu kann man durch reine Philosophie nicht kommen. Warum nicht? Ja, wenn Sie den ganzen Sinn desjenigen, was wir heute schon besprochen haben, nehmen, so werden Sie sich sagen können: Das, was sich zunächst dem Erdenmenschen in seiner Seele enthüllt zwischen Geburt und Tod, das ist eben in seinen Kräften zu schwach, um irgend etwas wahrzunehmen, das über das Irdische hinausgeht, das in das Göttlich-Geistige hineinführt. Wir wollen, um uns das ganz deutlich zu machen, einmal forschen nach dem Sinn der Unsterblichkeit.
Cite:
GA 155/1914-07-12/p035 · edition original