Dritter Vortrag

GA 155/1914-07-15/p009 ·1914-07-15 · original (original)
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Wenn wir sagen: Eine Macht tritt der anderen feindlich gegenüber, so ist es ganz richtig, wenn man auf dem physischen Plan stehen bleiben will, zu sagen: Feindschaft ist etwas Ungehöriges, etwas, was nicht sein soll. Aber dasselbe gilt nicht für die höheren Plane. Da muß das Urteil sich erweitern. Damit die Welt in ihrer Gänze möglich ist, ist — ebenso wie zum Beispiel auf dem Gebiet der Elektrizität positive und negative Elektrizität notwendig ist — auch geistige Gegnerschaft notwendig. Notwendig ist es, daß sich die Geister gegenüberstehen. Hier wird wahr das Wort des Heraklit, daß nicht nur die Liebe, sondern auch der Streit das Weltall konstituiert. Nur wenn auf die Menschenseele Luzifer wirkt und durch die Menschenseele in die physische Welt der Streit hineingetragen wird, dann ist dieser Streit unrecht. Aber es gilt nicht mehr dasselbe für die höheren Welten; da ist auch Gegnerschaft der Geister etwas, was zum ganzen Gefüge, zur ganzen Evolution der Welt dazugehört. Das heißt, wir müssen, sobald wir in die höhere Welt hinaufkommen, andere Maßstäbe anlegen, andere Färbungen des Urteils uns zu eigen machen. Daher ist es so schockierend, wie oftmals über Luzifer und Ahriman gesprochen werden muß, auf der einen Seite sie als Göttergegner hinstellend und auf der anderen Seite sie hinstellend wiederum so, daß sie im ganzen Gang der Weltenordnung notwendig sind.

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