Dritter Vortrag

GA 155/1914-07-15/p012 ·1914-07-15 · original (original)
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Und nun nehmen wir das ganze Schwergewicht des Wortes, das da auf Golgatha gesprochen wird. Der Verbrecher links glaubt nicht daran, daß mit dem Christus nicht nur eine irdische Wesenheit da ist, sondern eine Wesenheit eines besonderen Reiches, das nicht das irdische Reich ist. Dem Verbrecher rechts aber kommt unmittelbar vor dem Tode das Bewußtsein: Dein Reich, o Christus, ist ein anderes; gedenke meiner, wenn Du in Deinem Reiche bist. In diesem Augenblick zeigt der Verbrecher rechts, daß er eine Ahnung davon hat, daß der Christus zu einem anderen Reiche gehört, wo ganz andere Urteilskraft herrscht als auf der Erde. Da kann der Christus antworten, aus dem Bewußtsein heraus, daß er in seinem Reich steht: Wahrlich, dadurch daß du etwas ahnst von meinem Reiche, wirst du am heutigen Tage — nämlich mit dem Tode — mit mir in meinem Reiche sein. Da haben wir den Hinweis auf die überirdische Christus-Kraft, die hinaufzieht die menschliche Individualität in ein geistiges Reich. Irdisches Urteil, menschliches Urteil muß selbstverständlich sagen: In bezug auf das Karma wird der Verbrecher rechts seine Schuld abzutragen haben wie der Verbrecher links. — Aber für das himmlische Urteil gilt ein anderes. Das ist aber erst der Anfang der Sache, denn selbstverständlich können Sie nun sagen: Ja, dann steht einfach das himmlische Urteil mit dem irdischen Urteil in Widerspruch. Wie kann der Christus verzeihen, wo das irdische Urteil eine karmische Gerechtigkeit fordert?

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Cite: GA 155/1914-07-15/p012 · edition original