Dritter Vortrag
Bildlich ist das im Grunde genommen wunderbar selbst in der Malerei dargestellt worden. Wem möchte nicht einen großen Eindruck machen der Christus als Richter des « Jüngsten Gerichtes» zum Beispiel auf einem solchen Bilde, wie das von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle ist? Was liegt denn eigentlich dem zugrunde? Nun, nehmen wir nicht die tiefe esoterische Tatsache, sondern das Bildliche, das sich da vor unsere Seele hinstellt. Da sehen wir die Gerechten und sehen die Sünder. Es gäbe eine Möglichkeit, dieses Bild noch anders darzustellen, als es Michelangelo tut als Christ, nämlich die Möglichkeit, daß die Menschen am Erdenende oder nach dem Erdenende sehen würden ihr Karma, daß sie sich sagen würden: Ja, mein Karma habe ich zwar ausgetilgt, aber da stehen überall im Geistigen geschrieben auf ehernen Tafeln meine Schulden, und die Schulden bedeuten Schwere für die Erde, sie müssen die Erde vernichten. Für mich habe ich es ausgeglichen, aber da steht es überall. — Es wäre aber keine Wahrheit; es könnte so dastehen, aber es wäre keine Wahrheit. Denn dadurch, daß der Christus auf Golgatha gestorben ist, wird der Mensch nicht sehen seine Schuldentafeln, sondern er wird den sehen, der sie übernommen hat; sehen wird er vereinigt in der Wesenheit des Christus alles dasjenige, was sonst ausgebreitet wäre in der Akasha-Chronik. Der Christus steht statt der Akasha-Chronik vor ihm, er hat das alles auf sich genommen.
Cite:
GA 155/1914-07-15/p027 · edition original